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Unter der Krone

1806 bis 1918 - Das Königreich Bayern und sein Erbe

  

Herausgeber : Ernst Fischer und Hans Kratzer
Verlag: Süddeutsche Zeitung Edition, München
Erscheinungsjahr: 2006
Ausstattung: Hardcover gebunden mit Schutzumschlag, 195 Seiten, sehr viele Bilder sw/fb
ISBN 3-86615-331-7
Preis: Deutschland: 24,90 €

Herausgeber:
Ernst Fischer ist stellv. Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung.
Hans Kratzer ist Redakteur im Bayernteil der SZ und betreut dort u. a. Themen der bayerischen Geschichte, des Brauchtums und der Landeskunde

Autoren:
Aretin, Prof. Dr. Karl Otmar von: Em. Professor für Neuere Geschichte an der TU Darmstadt
Bauer, Dr. Richard : Leiter des Stadtarchivs München
Baumstark, Prof. Dr. Reinhold: Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, ehem. Generaldirektor des Bayerischen Nationalmuseums, Honorarprofessor an der LMU München
Effern, Heiner: Oberbayern-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung
Eggebrecht, Dr. Harald: Autor im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung
Gauweiler, Dr. Peter: Bundestagsabgeordneter und Rechtsanwalt in München
Glaser, Prof. Dr. Hubert: Em. Professor für Didaktik der Geschichte an der LMU München und ehem. Mitglied der Leitung des Instituts für Bayer. Geschichte an der LM V München
Görl , Wolfgang: Redakteur im München-Teil der Süddeutschen Zeitung
Grau, Dr. Bernhard: Archivoberrat am Staatsarchiv München
Hummel, Manfred: Redakteur im Bayernteil der Süddeutschen Zeitung
Junkelmann, Dr. Marcus: Freier Historiker, Schwerpunkt Militärgeschichte und experimentelle Archäologie
Knapp, Dr. Gottfried: Architektur- und Kunstkritiker der Süddeutschen Zeitung
Körner, Prof. Dr. Hans-Michael: Inhaber des Lehrstuhls für Didaktik der Geschichte an der LMU München
Kramer, Prof. Dr. Ferdinand: Professor für Bayerische Geschichte am Historischen Seminar der Universität München und Leiter des Instituts für Bayerische Geschichte an der LMU München
Reichart, Elke: Freie Journalistin, arbeitet für Zeitungen und Fernsehen
Ritzer, Uwe: Franken-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung
Roepke, Claus Jürgen: Oberkirchenrat a. D. und ehem. Mitglied der Leitung der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern, ehem. Direktor der Evangelischen Akademie, Tutzing
Rumschöttel, Prof. Dr. Hermann: Generaldirektor der Staatlichen Archive Bayerns und Honorar-Professor für Geschichte an der Universität der Bundeswehr München in Neubiberg
Schad, Dr. Martha: Historikerin und Buchautorin
Schmid, Toni: Ministerialdirigent im Bayer. Staatsministerium für Wissenschaft, Vorsehung und Kunst
Stroh, Kassian: Landtagskorrespondent der Süddeutschen Leitung
Ude, Christian: Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München
Unterstöger, Hermann: Innenpolitischer Redakteur der Süddeutschen Zeitung
Willms, Dr. Johannes: Kulturkorrespondent der Süddeutschen Zeitung mit Sitz in Paris

Inhaltsverzeichnis:
Hubert Glaser:  Napoleon als Geburtshelfer. / Nach Max I. Joseph erlebte Bayern bis 1918 noch weitere fünf Monarchen
Hubert Glaser: Ungesalbt und ungekrönt / Herrscher mit der Krone auf dem Haupt hat es im Königreich nie gegeben
Ferdinand Kramer: Der Bürgerkönig / Seine Beliebtheit half Max I. Joseph bei der "Revolution von oben"
Ohne Autor: 200 Kanonenschüsse  / Der Akt der Königserhebung verlief ohne Glanz
Hubert Glaser: Gelungenes Komplott / Der spätere König Ludwig I. drängte als Kronprinz Minister Montgelas aus dem Amt
Johannes Willms: Die Macht und ihr Preis / Im Wettstreit der Großmächte fiel Bayerns Herrschern eine riskante Schlüsselrolle zu
Marcus Junkelmann: Unterm Raupenheini / Die Armee, wichtig für den Zusammenhalt und besser als ihr Ruf
Ohne Autor: Zeittafel Max I. 
Hubert Glaser: Der Egozentriker / Herrscher, Mäzen, Privatmann / Ludwig I. wollte mehrere Leben nebeneinander führen
Toni Schmid: Knickrig, aber nicht in allem / Politisch und militärisch in der zweiten Reihe - da warf sich der König auf die Kunst
Gottfried Knapp: Schauplätze der Kunst / Ludwig I. machte aus München eine Residenzstadt von europäischem Format
Hubert Glaser: Die Liebe zu Lola / Verhängnisvoller Kampf um die Mätresse
Kurt Faltlhauser: im Interview / Ehre für Montgelas - Bayerns Finanzminister über seine Favoriten zur Zeit der Könige
Ohne Autor: Zeittafel Ludwig I.
Reinhold Baumstark: Er holte die Nordlichter  / Bildung und Forschung waren Max II. wichtig, aber auch ein besseres Staatsbewusstein
Reinhold Baumstark: Dirndl, Janker, Lederhose / Das schönste Vermächtnis des 3. Königs
Hans Kratzer: Talentvolle Jünglinge / Die Stiftung Maximilianeum
Ohne Autor: Zeittafel Max II.
Hans-Michael Körner: Flucht in die Traumwelt / Ludwig II. scheiterte an zentralen politischen Fragen und zog sich resigniert zurück
Hans-Michael Körner: Schwärmerische Zuneigung / Warum der tote König zum Mythos wurde
Hermann Unterstöger
Königstreue   ein vages Gefühl 
Wie man die Zuneigung zum Herrscherhaus in Bayern erleben kann
Peter Gauweiler: Alles so großtuerisch und leer / 1871 nahm das zweite deutsche Reich seinen Anfang. Mit einem souverän gebliebenen Bayern wäre wahrscheinlich vieles anders gelaufen
Hans-Michael Körner: Bismarcks Millionen / Ludwig war in Geldnot, den Eintritt ins Kaiserreich hat er sich jedoch nicht abkaufen lassen
Harald Eggebrecht: "Meine Liebe währt ewig / Wagner überforderte die Gunst des Königs
Wolfgang Görl: Diner mit der Pompadour / Die Speisen der Hofküche Ludwigs II. waren erlesen, die Essenszeiten ungewöhnlich
Ohne Autor: Pfau auf Brotsockel / Meisterkoch Witzigmann über alte Kollegen
Ohne Autor: Zeittafel Ludwig II
Uwe Ritzer: Mit Volldampf voran / Wie Bayern seine erste Eisenbahn bekam und Ludwig II. mit einer Zugfahrt Erfolg hatte
Richard Bauer: Regent in der rauen Joppe / Mit Disziplin und Geduld gewann Luitpold die Anerkennung, die ihm zunächst verwehrt war
Ohne Autor: Zeittafel Prinzregent Luitpold
Christian Ude: "Für Theorien fehlt der Sinn" / Georg von Vollmar kannte seine Landsleute und riet der SPD zu Pragmatismus
Hermann Rumschöttel: Untergang und Flucht / Der letzte bayerische König scheiterte, weil der Glaube an die Monarchie am Ende war
Hermann Rumschöttel: Ein gerechter Krieg? / Warum Ludwig III. die Friedensinitiative des Kronprinzen strikt ablehnte
Bernhard Grau: Und plötzlich war Revolution / Nach einer Friedensdemonstration stürzte der König, Eisner rief die Republik aus
Bernhard Grau: Der "Thronverzicht" / Eine Kompromisserklärung erhielt die Ansprüche auf die Krone formal aufrecht
Heiner Effern: Eine erste Zuflucht / Die Königsfamilie versteckte sich im Chiemgau
Karl Otmar von Aretin: Hindenburg riet dringend ab / Mehrmals gab es Pläne zur Wiedererrichtung der Monarchie - 1933 als Bollwerk gegen die Nazis
Elke Reichart : "Man fühlt sich wie Schlachtvieh" / Prinzessin Irmingard war Geisel Hitlers
Ohne Autor: Zeittafel Ludwig III.
Manfred Hummel: Makelloser Leumund / In der Prinzregenten-Zeit durften 700 Gewerbetreibende den Titel Hoflieferant führen
Manfred Hummel: Willkür und Enteignung / Das bittere Los der jüdischen Hoflieferanten
Martha Schad: Klug, schön, duldsam  / Die bayerischen Königinnen
Claus-Jürgen Roepke: Das "Himmelskind" Toleranz  / Der Protestantismus erlebte Jahre des Friedens und des Kampfes
Hans-Michael Körner: Wie Feuer und Wasser / Das Verhältnis Rom-München war andauernden Spannungen unterworfen
Wolfgang Görl: Kaiser und König im Tod vereint / Ein Besuch bei den Grablegen der Herrscher
Hermann Unterstöger: Die Linie der Jakobiten / Die Sache mit dem Anspruch der Wittelsbacher auf den britischen Thron
Elke Reichart: Auguste und die Rabenvögel / Junge Prinzessinnen und Prinzen streben nach wissenschaftlicher Anerkennung
Kassian Stroh: Geschäftsgeheimnis  / Besitz und Ertrag des Wittelsbacher Ausgleichsfonds sind schwer zu ermitteln
Stammbaum : Die Königspaare von Bayern und ihre Nachkommen.
Autorenverzeichnis

Inhalt:
"Unter der Krone" lädt ein zu einer Zeitreise durch die wechselvolle Geschichte des Königreichs Bayern von 1806 bis 1918. Von Max I. Joseph und dem Königsmacher Napoleon bis hin zum letzten bayerischen Monarchen, Ludwig III. Das Buch wirft aber auch einen Blick auf die Wittelsbacher von heute. Aufgeschrieben von namhaften Historikern und von Autoren der Süddeutschen Zeitung.

Besprechung:
Bayerns Könige und ihr Erbe, das so sehr in der Gegenwart wirkt, standen im Mittelpunkt einer Serie im Bayernteil der Süddeutschen Zeitung die Ende des letzten und Anfang diesen Jahres veröffentlicht wurde. Nun liegt sie, textlich ergänzt und reich bebildert, als Buch vor. Es ist kein Blick zurück aus Nostalgie oder gar monarchistischer Schwärmerei, erzählt wird die spannende und lehrreiche Geschichte des königlichen Bayern. Es sind Geschichten von kriegerischen und friedvollen Zeiten, von Affären und Tragödien, von Wandel und Stillstand.
Von all den vielen Büchern, welche aus Anlass 200 Jahre Königreich Bayern erschienen sind, gefällt mir dieses Werk besonders gut.
01.) Das Buch ist sehr hochwertig aufgemacht. Geprägter Schutzumschlag und erstklassiges Papier.
02.) Es ist ein toller Bildband mit sehr vielen farbigen und schwarz/weißen hochklassigen Bildern.
03.) Die Themenvielfalt finde ich ausgezeichnet. Es sind viele Artikel und keiner ist übermäßig lang
04.) Die Sprache in der die einzelnen Artikeln geschrieben sind ist für alle leicht lesbar.
05.) Die Inhalte der Artikel sind fachlich ausgezeichnet und sehr verständlich.
06.) Durch die vielen Autoren wird das Ganze nicht einseitig.
07.) Die zu jedem König dazwischen geschobenen Zeittafeln verschaffen einen guten Überblick.
08.) Es werden Fragen beantwortet, die sich manche noch gar nicht gestellt haben. So zum Beispiel:
Warum trugen Bayerns Könige die Krone nie auf ihrem Haupt? War Lola Montez wirklich schuld am Sturz Ludwigs I.? Ist Königstreue im heutigen Bayern mehr eine Art Nationalsport denn eine freudige Empfindung? Wie kam es zum Sturz des allmächtigen Ministers Montgelas? War die königlich-bayerische Armee wirklich so unbedeutend wie ihr Ruf? Was veranlasste Max II.,, Brauchtum und Tracht so energisch zu fördern? Hat sich Ludwig II. den Eintritt Bayerns ins Kaiserreich von Bismarck abkaufen lassen? Gab es nach 1918 Bestrebungen, das Königtum in Bayern wieder einzuführen? Wie wurde man einst zum Hoflieferanten? Und: warum wird bis heute so viel Geheimniskrämerei um den Wittelsbacher Ausgleichsfonds getrieben? Das Buch "Unter der Krone" beantwortet solche und andere Fragen, schildert die wichtigsten und spannendsten Kapitel der Geschichte des Königreichs Bayerns - und es erzählt von seinem Erbe.
Das Thema des Buches ist natürlich die bayerische Geschichte seit Gründung des Königreiches unter Mithilfe von Napoleon.
Die Erhebung zum Königreich musste schnell gehen, damals vor 200 Jahren. Napoleon drängte den bayerischen Kurfürsten. Nicht einmal die Throninsignien wurden rechtzeitig fertig. Auf dem Haupt getragen hat Maximilian I. Joseph die Krone nie, auch keiner seiner Nachfolger hat das getan. "Wir bleiben die Alten", beruhigte der König seine Umgebung und seine Untertanen. Ruhige Zeiten brachte die neue Würde nicht. Sieben Kriege, in wechselnden Allianzen, musste der erste  bayerische König in 16 Jahren bestehen, um seine Macht und die neuen Grenzen seines Landes zu sichern. Die riskante Schaukelpolitik setzte sich fort, Bayern stand immer wieder zwischen den großen Mächten Europas.
Auf den Bürgerkönig Max I. Joseph folgte der kunstsinnige Exzentriker Ludwig I., dann Max II., der die Integrationspolitik seines Vorgängers fortführte, denn die Neubayern mussten erst von diesem Staat überzeugt werden. Dann kamen Ludwig II., der vor den politischen Herausforderungen in seine Traumwelt floh und tragisch endete, und der Prinzregent, den sie anfangs nicht mochten. Später stand er für die gute alte Zeit, aber auch für Stillstand und Versteinerung des Königreichs. Und schließlich Ludwig III., der "Millibauer", der 1918 vor den Revolutionären flüchten musste. Dies zwei Tage vor dem Kaiser in Berlin und das im ach so königstreuen Bayern. Aber das Volk war kriegsmüde, der Glaube an den König war dahin. Die Dynastie der Wittelsbacher bestand fort, auch die Königstreue ist nicht ganz verschwunden - bei vielen freilich nur als ein vages Gefühl.
Unter Max I. Joseph und seinem Superminister Montgelas hat Bayern seine Gestalt und seine Organisation gefunden, ein Fundament, das heute noch besteht. Unter seinen Nachfolgern haben sich die Altbayern, die bayerischen Franken und Schwaben aneinander gewöhnt. Spätestens 1945 erwies sich dann die Integration als geglückt. Der weißblaue Freistaat ist der Erbe des weißblauen Königreichs und behauptet sich als ein besonderes Land im Reigen der heutigen Bundesländer und der Regionen Europas - geschichtsbewusst, eigenständig und eigenwillig.
Auch wenn wir uns auf dieser Website hauptsächlich mit König Ludwig II. befassen, möchte ich Ihnen dieses Buch sehr ans Herz legen. Ludwig II. wird darin ausreichend gewürdigt. Man erfährt einiges Neues, vor allen Dingen aber räumt Professor Körner wieder einmal mit manchen unwahren Gerüchten über Ludwig auf, über die wir uns immer wieder ärgern.
Ich habe das Buch kaum aus der Hand legen können, so gut hat es mir gefallen.

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