Bayern steht 2006 ganz im Zeichen der Krone. Mit sechs Herrscherportraits erinnert die Fernsehreihe „Königreich Bayern“ des Bayerischen Rundfunks an die Erhebung Bayerns zur Monarchie, an jene glanzvolle Epoche, die über ein Jahrhundert währte und das Land entscheidend prägte.
Die Dokumentarfilmreihe über das Königreich Bayern beginnt mit dem Bürgerkönig Max I. Joseph, würdigt den Kunstförderer Ludwig I. und seinen Sohn, den Wissenschaftsfreund Max II. Ihm folgen der “Märchenkönig” Ludwig II. und, nach dessen tragischem Tod, der volksnahe Prinzregent Luitpold. Mit dem Sturz Ludwigs III. nimmt die Monarchie 1918 ihr jähes Ende.
Die Serie rekonstruiert nicht nur die Geschichte des bayerischen Königreichs auf der Basis der aktuellen Forschung. Sie fragt auch nach den Bildern, die in den Jahren und Jahrzehnten nach 1918 von den jeweiligen Herrschern entworfen wurden. Nach Bildern, die mitunter die historische Realität überwuchert haben.
Entstanden ist dabei ist ein facettenreiches und spannendes Bild vom Beginn des Königreichs bis zum Ende der Monarchie.
In nachgedrehten Spielfilmszenen – zum Teil an Originalschauplätzen – wird die an Umbrüchen reiche Epoche beleuchtet. Auf diese Art wird hier Bayerische Geschich-te jedem auf eine Art nahegebracht, welche auch Menschen anspricht, die nicht ge-rade ausgesprochene Geschichtsfans sind.
Die sechs Herrscherportraits liegen jetzt auf DVD vor – eine spannende, unterhalt-same und dabei bis ins Detail verlässliche Zeitreise. Manche von Ihnen haben wahrscheinlich die einzelnen Filme auf Videorekorder aufgezeichnet, was sie aber nicht daran hindern sollte diese wunderbare Edition zu kaufen, denn sie ist wirklich toll aufgemacht und von bestechender Bildqualität.
Max I. Joseph
Buch und Regie: Dr. Bernhard Graf.
Am Neujahrstag des Jahres 1806 verkündete der Reichsherold in den Straßen Mün-chens, dass Kurfürst Maximilian IV. Joseph, den Titel "König von Bayern" angenom-men habe. Er nannte sich fortan Max I. Joseph und es wurde bald klar, dass eine neue Ära der Geschichte begonnen hatte.
Der am 27.Mai 1756 in Mannheim geborene Wittelsbacher war ein Meister des politi-schen Taktierens und sicherte damit die territorialen Ansprüche Bayerns. In enger Zusammenarbeit mit seinem leitenden Minister Montgelas schuf er mit der Verwaltungsreform und dem Erlass einer Verfassung die Grundlagen für den Ausbau des modernen bayerischen Staates.
Schon als Kurfürst gewann Max I. Joseph die Sympathien seiner Untertanen. Der Filmbeitrag stellt den zeitlebens beliebten und politisch versierten Herrscher vor.
Ludwig I.
Buch: Klaus Reichold / Regie: Thomas Endl
Kaum ein anderer Monarch hat Bayern so geprägt wie König Ludwig I.. Beseelt von der Überzeugung, Kunst und Geschichte erzögen die Menschen und bänden sie an die Monarchie, initiierte er eine ambitionierte Kunstpolitik, die München zu einem Zentrum der Musen und Museen machte.
Anregungen für seine berühmten Bauten holte sich der herausragende Kunstsammler und Mäzen auf seinen zahlreichen Reisen nach Italien.
Ludwig I. vereinte viele Widersprüche in sich. Gleichzeitig aufgeschlossen und rückwärtsgewandt, liberal und autokratisch, großzügig und geizig, schöngeistig und rüde, wollte er eines niemals sein: ein "Unterschreiberkönig". Seine Abdankung aufgrund Affäre mit der Tänzerin Lola Montez war die Konsequenz, die Ludwig I. 1848 zog.
Der Filmbeitrag stellt Leben und Wirken dieses großen bayerischen Königs vor.
Königreich Bayern - Max II.
Buch und Regie: Elli G. Kriesch.
Im Revolutionsjahr 1848 übernahm der Max II. nach der Abdankung Ludwigs I. die Regentschaft in Bayern. Der junge wissensdurstige Wittelsbacher, der sich zeitlebens mit Gelehrten und Dichtern umgab, empfand die Krone stets als drückende Last.
Für schnelle politische Entscheidungen fehlte ihm der genialische Schwung seines Vaters. Seine Macht war durch einen immer einflussreicher werdenden Ministerrat eingeschränkt.
Dennoch bewirkte Max II. in seinen sechzehn Regierungsjahren einiges. Er war der erste Monarch der zur sozalen Frage klar Stellung bezog. Engagiert trat er für eine friedliche Lösung der "deutschen Frage" ein. Mit dem Bau der Maximiliansstraße und dem Maximilianeum prägte er das Stadtbild Münchens.
Ludwig II.
Buch und Regie: Steffi Illinger
Die 22 Jahre seiner Regierung waren eine bewegte Zeit. Die Niederlage gegen Preußen, der Deutsch-Französische Krieg und der Verlust der bayerischen Souveränitätsrechte überschatteten die Regentschaft Ludwigs II.
Er gilt als politisch desinteressierter "Märchenkönig", bekannt vor allem wegen seiner drei prächtigen Schlösser. Tatsächlich nahm Ludwig II. sein Amt sehr ernst und erfüllte seine Regierungsgeschäfte mit großer Sorgfalt. Es mangelte ihm lediglich an der Durchsetzungskraft. Sein antiquiertes monarchisches Selbstverständnis kollidier-te mit der neuen politischen Realität und vor allem mit der Machtstellung seiner Mi-nister.
Das tragische Leben Ludwigs II. ist nicht in erster Linie Folge seiner psychischen Erkrankung, sondern vielmehr eine Konsequenz aus der Enttäuschung über sein politisches Scheitern. Sein politischer Sturz und sein rätselhafter Tod im Starnberger See machten ihn zum Mythos bis in unsere Tage.
Prinzregent Luitpold
Buch und Regie: Barbara Schepanek
Kaum ein bayerischer Herrscher ist in Bayern so in Erinnerung geblieben wie Prinz-regent Luitpold. Eine ganze Epoche - die "Prinzregentenzeit" wurde nach ihm be-nannt. Als Luitpold 1886 im Alter von 65 Jahren die Regentschaft für den geistes-kranken König Otto übernahm, erwartete niemand, dass er 26 Jahre lang an der Spitze Bayerns stehen würde.
Sein Ansehen im Land war zunächst gering, machte man ihn doch für den mysteriö-sen Tod Ludwigs II. verantwortlich. Doch Luitpold gelang es in einzigartiger Weise, das Ansehen der Monarchie im tief erschütterten Bayern wieder herzustellen und selbst zum Mittelpunkt volkstümlicher Verehrung zu werden.
Vor dem Hintergrund des drohenden Ersten Weltkrieges gelten die friedlichen Jahre der Prinzregentenzeit als die wohl glückhafteste Periode in der neueren Geschichte Bayerns. Und keiner passt besser in diese glorifizierende Erinnerung als Prinzregent Luitpold: der populäre, altväterliche und gänzlich unpolitische Regent.
Ludwig III.
Buch und Regie: Heinrich Biron
Als König Ludwig III. 1912 seinem Vater, Prinzregent Luitpold, auf dem Thron folgte, blieben ihm gerade einmal sechs Jahre lang, bevor ihn die Revolution aus München vertrieb.
Ludwig war ein bescheidener, tief gläubiger und aufgeschlossener Mann. Er hatte Nationalökonomie und Jura studiert und war besonders an technischen Neuerungen interessiert. Seinen Besitz Leutstetten machte er zu einem landwirtschaftlichen Mus-tergut.
Er gilt als politisch glückloser Herrscher, der sich seiner Abhängigkeit von der Regie-rung in Berlin nur zu wohl bewusst war. Nicht selten bezeichnet man ihn als "Totengräber der Monarchie". Ein harsches Urteil, denn letztlich war es wohl die Kriegsmüdigkeit der bayerischen Bevölkerung und die Situation allgemeiner Rat- und Mutlosigkeit, die 1918 der Monarchie in Bayern ein Ende setzten.