Autor:
Rudolf Reiser wurde in Regensburg geboren und studierte in München und Wien die Fächer Geschichte, Psychologie und Osteuropakunde. 1968 Promotion bei Karl Bosl über barocke Gesellschaftsgeschichte. Von 1969 bis 1996 Redakteur für Bildung, Wissenschaft und Forschung bei der Süddeutschen Zeitung. Verfasser von rund tausend Aufsätzen und über 50 Sachbücher mit den Schwerpunkten Antike, Bayerische Geschichte, Städtemonographien.
z. B. Königsmord am Starnberger See, Klenzes Geheime Tagebücher, Die Wittelsbacher usw.
Inhaltsverzeichnis:
Ouvertüre zu einem grandiosen Epos
1861: »Nie sollst du mich befragen«
1864: »Der König will Sie frei von Sorgen wissen«
Der Venusberg am Starnberger See
Tristan und Isoldes Geburt
Vertreibung aus München
Ehebruch, Lügen und der »Deutsche Bruderkrieg« 1866
Ludwigs Ver- und Entlobung 1867
Neuschwanstein und Die Meistersinger
Siegfrieds Geburt und Rheingold
Cosima und Richard heiraten im 70er Krieg
Freundliches Bayreuth
Die Königsbüste vor Wahnfried
Ludwig II. besucht 1876 die ersten Festspiele
Schulden, Schlösser, Schmeicheleien
1879 »Parsifal vollendet«
Das Finale
Der Applaus
Literatur
Register
Besprechung:
Dieses neue Buch von Reiser erzählt die Geschichte einer Dreiecksbeziehung zwischen dem bayerischen König Ludwig II., dem Komponisten Richard Wagner und dessen Geliebte und spätere Gemahlin Cosima. Zwischen Ludwig, Richard und Cosima bestand eine großartige Freundschaft, die selbst die vielen trüben Tage überdauerte. Der umfangreiche Briefwechsel gestattet uns heute einen tiefen Einblick in ihr Denken und Streben. So entstand ein kurzweiliges und lesenswertes Buch, das anhand vieler Briefzitate die Freundschaft aber auch die Zerwürfnisse schildert, die es immer wieder gab. Einige Abstriche möchte ich aber schon machen. Die Briefzitate sind zwar immer korrekt, aber aus dem Zusammenhang gerissen scheinen sie etwas anderes zu sagen als im Originaltext. Ich bin also nicht immer mit der Wertung und den Schlussfolgerungen Reisers einverstanden.
Der schlimmste Teil des Buches, mit dem ich überhaupt nicht einverstanden sein kann wird im Klappentext wie folgt beschrieben:
„Der Komponist und sein könig¬licher Gönner wussten nicht mit letzter Sicherheit wer ihre Väter sind. Ersterer glaubte mal an den Polizeiangestellten Friedrich Wagner, mal an den Maler Ludwig Geier (auch Geyer) und nahm die Accessoires beider (Großer Wagen und Raubvogel) in sein Wappen auf. Der König kannte die pein¬liche Geschichte über die aller¬höchst angeordnete Vergewalti¬gung seiner Mutter Marie von Preußen (1825-1889) durch den Italiener Josef Tambosi (1794-1872), der ihr Kammer¬diener und Kellermeister war. Weil Prinz Luitpold (der spätere Prinzregent) mit Recht annahm, dass der König kein Wittelsbacher ist, stellte er ihm ständig nach.
Bis er ihn schließlich 1886 am Starnberger See ermorden ließ! Um von der illegitimen Herkunft abzulenken, empfahl Wagner seinem König an das antike Mär¬chen von der Jungfrauengeburt zu glauben. Ganz nebenbei entnehmen wir der Kor¬respondenz, wie das Wissen um seine Abstammung und die damit verbundenen Verfolgungen Luitpolds die Politik des »Märchen¬königs« beeinflussten.
Königin Marie von Bayern soll also betrunken gemacht worden sein, um dann von einem italienischen Kellermeister namens Tambosi vergewaltigt zu werden. In dem Buch liest sich das wie folgt:
„[...] Wie noch heute in Kreisen der Wittelsbacher kolportiert wird, bediente man sich in solchen Fällen normalerweise des Beichtvaters. Dass man von 1842 an einen 48 jährigen Italiener bezahlte, lag wohl an seiner Diskretion und eventuell seinen Defiziten in der deutschen Sprache. Möglicherweise aber auch an seinen medizinischen und astrologischen Kenntnissen.
Tambosi kombinierte mit großer Wahrscheinlichkeit die Mondphasen mit dem Monatszyklus des Mädchens, mischte eine Portion Aberglauben in seine allerhöchst angeordnetes Lustgewerbe und ließ Marie in der Nacht der totalen Mondfinsternis 1844 (24./25. November) abermals Wein reichen. Tatsächlich lag neun Monate später der kleine Ludwig in der Wiege. Dass dieser sein Leben lang dem Vollmond huldigt, zeigen viele Bilder und Biographien. [...]“
Diese These vertritt außer Reisert kein anderer seriöser Wissenschaftler. Ich denke das alles ist unglaubhaft, denn Tambosi hätte dann Marie mehrfach vergewaltigen müssen. Warum sollte es denn gerade beim ersten Mal geklappt haben. Dann stellt sich noch die Frage: Warum musste Tambosi nochmals ran um den Bruder Otto zu zeugen?
Um König Ludwig ranken sich schon eine Menge geheimnisvoller Geschichten deren Wahrheitsgehalt nicht nachprüfbar ist. Dies ist allerdings die spektakulärste. Sie wird sicherlich den Buchverkauf ankurbeln.
Nach dem letzten Buch Reisers „Mord am Starnberger See“, das schon sehr sensationslüstern geschrieben war, ist das sein zweites Werk, das mit einer waghalsigen Theorie an den Mann/Frau gebracht werden soll.