Informationen zum Autor :
Karl Otmar Frhr. von Aretin, geboren 1923, Schüler von Franz Schnabel, war Ordinarius für Neuere Geschichte an der Universität Darmstadt und Direktor des Instituts für Europäische Geschichte in Mainz. Mitglied der österreichischen Akademie der Wissenschaften, 1982 Mitglied der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Ehrenmitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, Budapest, 1998 Mitglied der Britischen Akademie, London.
Karl Otmar Freiherr von Aretin, gleichzeitig Urenkel Franckensteins, hat aus dem Nachlass seines Vorfahren bisher unveröffentlichtes Material zusammengetragen.
Inhaltsverzeichnis:
- Einleitung
- Jugend, Heirat und erste Anfänge im politischen Leben
- Der Eintritt in die große Politik
- Zollparlament und Versailler Verträge
- Der Reichstag 1871
- Reichstagsabgeordneter des Zentrums
- Ludwig II. und Franckenstein
- Vorsitzender der Fraktion des Zentrums im Reichstag 1875-1877
- Regierungsantritt Papst Leos XIII. und erste Verhandlungen zwischen Rom und Berlin
- Die Franckensteinsche Klausel
- Die Verhandlungen Bismarcks mit der Kurie bis zum ersten Diskretionären Gesetz
- Franckenstein und die erste Fassung der Arbeiterunfallversicherung
- Präsident des Reichsrats der Krone Bayern, bayerischer Minister des Königlichen Hauses, Präsident des Reichstags oder Vizekanzler des Reiches.
Eine aufregende Reichstagssession 1881/1882 - Das Zentrum und die Diskretionären Gesetze
- Der Anteil Franckensteins am Krankenkassengesetz und an der endgültigen Form des Arbeiterunfallgesetzes 1882-1884
- Das Zentrum, der Vatikan und das erste Friedensgesetz
- Franckenstein und die Königstragödie um Ludwig II.
- Die Septennatskrise
- Franckensteins Audienz bei Leo XIII. und Roms Eingreifen in den Kulturkampf in Bayern
- Die große Krise zwischen Windthorst und Franckenstein.
Der Kampf um das Alters- und Invaliditätsgesetz. - Der Münchner Katholikentag 1889. Franckensteins Tod
- Ausblick
- Anmerkungen
- Bildnachweis
- Personenregister (auf ca. 65 Seiten kommt Ludwig II. direkt vor)
Informationen zum Buch:
Ein bayerischer Parlamentarier in Berlin Georg Arbogast von und zu Franckenstein (1825-1890) war einer der bedeutendsten Parlamentarier der Bismarckzeit; in zähen Verhandlungen mit dem Reichskanzler gelang es ihm, seine Vorstellungen in der Zollpolitik durchzusetzen. König Ludwig II.. von Bayern rief ihn kurz vor seinem Tod zu sich. Franckensteins eingehender Bericht über die ungeklärten Vorgänge im Sommer 1886 in Bayern ist hier zum ersten Mal veröffentlicht.
Karl Otmar von Aretin wirft durch seine Bearbeitung des bisher unveröffentlichten Nachlasses von Franckenstein neues Licht auf zentrale Aspekte der Innenpolitik Bismarcks und auf das tragische Schicksal Ludwigs II. So erhält der Leser Einblicke in das Leben eines zu Un-recht vergessenen Politikers und wird zugleich Zeuge der großen politischen Fragen der Epoche (u. a. Sozialistengesetze, Kulturkampf). Der Reichskanzler, der an dem hochgewachsenen fränkischen Baron Gefallen hatte, gewann Franckenstein für die Gestaltung der Sozialgesetze, die bis in die heutige Zeit nachwirken. Als Vertrauter des Königs war er eng mit der bayerischen Königstragödie verbunden. Im letzten Augenblick vom König nach Neuschwanstein gerufen, konnte Franckenstein den dramatischen Verlauf der Ereignisse nicht mehr abwenden.
Rezension:
Wer kennt Freiherr von Franckenstein, der 1825 in Würzburg geborene konservative Politiker? Es werden nur ganz wenige den Finger heben, selbst Freunde Ludwigs II. werden sich schwer tun sich an den Namen zu erinnern und doch war er einer der wichtigsten konservativen Politiker des 10. Jahrhunderts. Ein gewissenhafter Arbeiter, ein ausgleichender Charakter und ein ausgleichender Katholik, der im entscheidenden Moment den Sprung nach ganz vorne nicht wagte. Hätte er es getan und sich von Ludwig II. an die Spitze der bayerischen Regierung setzen lassen - vielleicht hätte es keine Königskatastrophe gegeben.
1872 erfolgte der erste Kontakt mit Franckenstein. Ludwig II. gratulierte Franckenstein völlig überraschend zum Geburtstag. Der König wollte Franckenstein 1875 sogar zum Vorsitzenden des Ministerrats machen, was der aber ablehnte. Trotzdem brach der Kontakt nie ab. Als Präsident des Reichsrats der Krone Bayerns bekam Franckenstein die Geschehnisse in Ludwigs Schicksalsjahr 1886 hautnah mit. Wegen seiner teuren Schlossbauten habe der Kö-nig immer wieder um Geld gefragt, um seine enormen Schulden bezahlen zu können. Franc-kenstein hielt Ludwig aber nicht für verrückt: Der König habe nur eine "unendlich entwickel-te Phantasie, die in ihren Ausführungen durch 22 Jahre keinen Widerstand gefunden hat". Franckenstein wusste von den Plänen, Ludwig II. abzusetzen, und war auch der Meinung, er sei regierungsunfähig. Er setzte sich aber dafür ein, dass der König lieber abdanken als für irrsinnig erklärt werden sollte.
Vergeblich - Ludwig II. rief Franckenstein zwar noch zwei Tage vor seinem Tod zu sich, aber beide trafen sich nicht mehr. Danach hatte Franckenstein mit Bayern abgeschlossen, vor allem mit Prinzregent Luitpold, der Ludwig II. entmachtet hatte: "Es ist eine Tragödie, dass unser geliebtes Bayern von Männern regiert wird, die eigentlich für das, was sie ihrem König angetan haben, hinter Schloss und Riegel gehören."
Dieses Buch ist ein sehr wichtiges für alle Ludwig II. Freunde, denn es beleuchtet wie sonst kein anderes die politische Arbeit des Königs. Man merkt an vielen Stellen, dass Ludwig II. sehr wohl ein politischer König war, der in das politische Tagesgeschäft immer wieder eingegriffen hat um ihm seinen Stempel aufzudrücken.
Wenn auch große Teile des Buches nicht direkt etwas mit Ludwig II. zu tun haben, so lernt man sehr gut das politische Umfeld in Bayern und Deutschland der damaligen Zeit kennen und kann vieles besser einordnen. Man erfährt vieles über die bayerische Politik und ihr Verhältnis zu Deutschland. Die konservative Fraktion im bayerischen Landtag, deren Vorsitzender Franckenstein war, hatte ja die Mehrheit in diesem Gremium. Ludwig II. hielt trotz ihrer Minderheit im Parlament an der liberalen Regierung unter Lutz fest, was ihm letztendlich das Leben kostete.
Wie wäre alles gekommen, wenn Franckenstein das Angebot Ludwigs II., Ministerpräsident zu werden angenommen hätte?
Dieses Buch ist sehr zu empfehlen.