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Der Thronsaal von Schloss Neuschwanstein
Der Thronsaal von Schloss Neuschwanstein

König Ludwig II. und sein Verständnis vom Gottesgnadentum

Text: Marcus Spangenberg

Verlag Schnell + Steiner Regensburg
ISBN 3-7954-1225-0
Preis: 9,90 EUR
Weitere Daten 1999. 64 S. m. zahlr. meist farb. Abb. 24 cm. Kt. 212 gr.

Seit 22 Jahren befasst sich der Autor Marcus Spangenberg mit dem Thema. Ludwig II. und mit seinen Schlössern. Das Ergebnis, ein Kunstführer über das Märchenschloss ist im Rahmen einer Magisterarbeit entstanden. Der Titel täuscht etwas, denn es geht nicht nur um den Thronsaal, sondern auch um Ludwig II. und sein Verständnis vom Gottesgnadentum.
Kein Raum könnte sinnbildlicher das tragische Schicksal des bayerischen Königs Ludwig II. widerspiegeln als der Thronsaal von Schloss Neuschwanstein. In dessen Gestalt sowie in der Baugeschichte verdichtet sich auf einmalige Weise die Entwicklung eines Menschen, der seit seiner Geburt im Jahre 1845 immer wieder Rätsel aufgab und als "Märchenkönig" in die Geschichte eingegangen ist. Im byzantinischen Stil von 1879 bis 1887 erbaut, symbolisiert dieser zweigeschossige sakrale Raum die Vorstellung Ludwigs II. von einem Königtum von Gottes Gnaden. Ein Königtum, das er in der realen Politik einer konstitutionellen Monarchie nicht verwirklichen konnte, aber das er in der von ihm selbst gewählten Rolle eines "mittelalterlichen Königs" zu leben versuchte. Den Anforderungen an einen König von Gottes Gnaden scheinbar nicht gerecht werdend, entwickelte sich der Thronsaal auf Schloss Neuschwanstein für Ludwig II. zur imaginären Erlösungsstätte von allen Sünden.
Trotz der vielfachen Bezüge des Thronsaals auf die Zeit des Mittelalters: ohne die Anwendung der technischen Errungenschaften der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hätte der Thronsaal so nicht erbaut werden können. Eisengusssäulen, Doppel-T-Träger und ein Eisengerüst für die Kuppel sind ein Hinweis darauf, dass der "Märchenkönig" Ludwig II. seine steingewordenen Träume nur mit Hilfe der technischen Gegenwart verwirklichen konnte.
Das ein Kunstverlag wie Schnell + Steiner diesen schmalen Band im Rahmen seiner Reihe "Die großen Kunstführer" veröffentlicht spricht für die Qualität des Autors.

Nach einer Einführung wird die Baugeschichte des Schlosses beschrieben. Dann geht der Autor auf die Architektur des Thronsaales ein. In den weiteren Ausführungen wird die Entwicklungs- und Baugeschichte des Thronsaales in den Jahren 1865-1869, 1876-1883 und 1884-1887 beschrieben. In einem umfangreichen Kapitel, betitelt die "Ausmalung", wird über die Künstler geschrieben, die den Thronsaal bebilderten. Es werden die Gemälde vorgestellt und über die Ausschmückung des Thronsaales geschrieben. Dem Mosaikfußboden ist ein ganzes Kapitel gewidmet. Am Ende des Buches wird die heutige Ausstattung des Saale beschrieben. Nach den abschließenden Betrachtungen ist noch eine kleine Literaturauswahl angehängt. Umfangreiches und qualitativ gutes Bildmaterial begleitet den flüssig und leicht geschriebenen Text.

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