Dass wir Bayern unseren Märchenkönig lieben kann sich jeder denken, dass fast jeder Deutsche einmal eines der Märchenschlösser Ludwigs II. besucht hat kann man auf Grund der Besucherstatistiken als sicher annehmen. Dass unsere ausländischen Besucher, besonders die Amerikaner und die Japaner, es "crazy" finden Ludwig II. ihre Referenz zu erweisen, war mir schon bewusst, dass aber Ludwig II. auch in Russland ein Superstar ist, war mir neu.
Erfahren habe ich im Internet, dass der Peter Glowasz Verlag ein neues Video anbietet, welches, man höre und staune, aus einer russischen Produktion stammt. Wie ich auf der Umhüllung sehen kann, wurde die Produktion von einigen deutschen, unter anderem auch von der Lufthansa, gesponsert. In Russland scheint das Video ganz schön erfolgreich gewesen zu sein, was die Produzenten dazu veranlasst hat an Peter Glowasz heranzutreten, um das Werk auch in Deutschland zu veröffentlichen.
Ich habe mir das Video mehrfach angesehen und war am meisten beeindruckt von der Regie und der Kameraführung. Wunderschöne Bilder werden uns von der Landschaft um die Schlösser, von den Bauwerken selbst, aus der Luft und vom Boden, sowie vom Innern der Schlösser gezeigt. Es gibt sehr viele schöne Detailaufnahmen, die man bei einem Besuch wohl nie entdeckt. Der Text, von einem Russen in Deutsch gesprochen, ist eine einzige Liebeserklärung an Ludwig II. Er versucht das Wesentliche zum Verständnis einer großen Königsgestalt herauszuarbeiten und dem Zuschauer mitzuteilen. Die russische Seele kann sich wohl sehr viel besser in die Mystik um Ludwig II. hineinversetzen als wir Bayern selber. Hier einige Aussagen des Films:
"[...] Man nannte Ludwig II. den letzten König des Jahrhunderts. Er träumte von Frieden und Glück für sein Volk, baute Königsschlösser und erweckte Ehre und Adel zu neuem Leben. Mit dem Besteigen seines Thrones im Industriellen 19. Jahrhundert gestaltete er sein Leben nach den mittelalterlichen Legenden. Sein Leben war voller Mystik und Geheimnisse. Es erinnert uns mehr an die Mythen als an die Realität, harte Auseinandersetzungen mit der Regierung, Unverständnis seiner Zeitgenossen und zugleich Liebe und Zuneigung seines Volkes. Eines seiner berühmtesten Bauten ist das Schloss Neuschwanstein, das als uneinnehmbare Festung gilt, in der Helden, wie Tristan, Lohengrin, Siegfried und Tannhäuser gelebt haben könnten [...]"
Manchmal wird der Text etwas melodramatisch, was aber auch an dem Sprecher liegt, der als Russe nicht akzentfrei spricht. Damit wir uns nicht falsch verstehen, das Deutsch und die Aussprache ist perfekt. Sie brauchen keine Angst zu haben, dass sie mit einem unverständlichen Kauderwelsch überfallen werden. Dass der Textautor die Geschichte Ludwigs II. gut studiert hat merkt man an vielen Stellen. So wird z. B. klar gesagt, dass der König keine Staatsgelder, sondern nur sein Privatvermögen zum Bau der Schlösser verwendet hat. Diese Aussage ist bei uns in Deutschland und auch in Bayern nicht immer selbstverständlich. Da sind den Autoren ein paar kleine Fehler verziehen, welche Ludwig II. etwas später zum König machen als es in Wirklichkeit war.
Unterlegt ist der ganze Film, wie kann es auch anders sein, mit Musik des großen Komponisten Richard Wagner.
Was ich gut fand war der Teil über Ludwigs Tod, denn ich habe zuerst gedacht, jetzt beginnen die Russen ebenfalls über den Tod zu spekulieren. Ich hatte falsch gedacht. Elegant hat die Regie und der Textautor das Ende nach allen Richtungen offen gelassen.
Die 53 Minuten vergehen auf jeden Fall wie im Fluge und im großen und ganzen ist der Film trotz der kleinen Textmängel eine Bereicherung für die Ludwig II. Gemeinde.