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Der Deutsch Französische Krieg

Inmitten seiner Bauvorhaben muß Ludwig II. erneut eine Mobilmachung unterschreiben. Es kommt zum Krieg zwischen Preußen und Frankreich. Aufgrund des Bündnisvertrages von 1866 müssen die bayerischen Truppen mitmarschieren.

Widerwillig fährt Ludwig II. in jenen Sommermonaten des Jahres 1870 nach München zurück. Er zeigt sich mehrmals am Fenster, nachdem sich eine große Menschenmenge vor der Residenz versammelt hat. Die Bevölkerung ist begeistert und jubelt. Die Hochrufe hören nicht auf.

An den kommenden Kriegsereignissen nehmen die Menschen großen Anteil. Als schließlich bei der Schlacht in Sedan Napoleon III. gefangen genommen wird, ist der Krieg gewonnen.

Das Königreich Preußen ist zu dieser Zeit der mächtigste und größte deutsche Staat. Dennoch nimmt es keinen übergeordneten Rang ein. Dies soll nicht so bleiben, denn Bismarck will mehr. Preußen strebt die Führung in einem deutschen Nationalstaat an, in den sich Bayern eingliedern soll. Bismarck muß deshalb den bayerischen König bewegen den König von Preußen zum deutschen Kaiser vorzuschlagen. Ludwig II. weiß, was das bedeutet: Bayern verliert seine jahrhundertealte Selbständigkeit.

Im Oktober 1870 beginnen in Versailles die Verhandlungen über die deutsche Einigung. Ausgerechnet Versailles! Das Schloß von Louis XIV., den der bayerische König so verehrt, haben die Sieger über Frankreich zu ihrem Hauptquartier gemacht. Ludwig II. weigert sich, den Verhandlungen persönlich beizuwohnen. Graf Holnstein, der beim König Vorrechte hat, bringt Ludwig II. schließlich soweit, den von Bismarck aufgesetzten Kaiserbrief zu unterzeichnen. Damit ist der Weg frei für ein deutsches Kaisertum.

Am 18. Januar 1871 wird Friedrich-Wilhelm, König von Preußen, im Spiegelsaal von Versailles zum deutschen Kaiser proklamiert.

Ludwigs Bruder Otto ist bei der Krönung zugegen und schreibt: "Ach Ludwig, ich kann Dir gar nicht beschreiben wie unendlich weh und schmerzlich es mir während jener Zeremonie zumute war...Alles so kalt, so stolz, so glänzend, so prunkend und großtuerisch und herzlos und leer."

Im Jahre 1871, beim Einzug der siegreichen bayerischen Armee, reitet der preußische Kronprinz an der Spitze der Truppen durch das Münchner Siegestor. Die Menschenmenge jubelt dem verhaßtenVetter Ludwigs II. zu. Am Standbild des Großvaters nimmt der bayerische König die Parade ab.

Doch zum großen Militärbankett im Glaspalast erscheint Ludwig II. nicht mehr. Sein Majestätsgefühl ist zutiefst verletzt. Er weiß, daß er seine Souveränität verloren hat. Ludwigs Abneigung gegen den preußischen Kronprinz und seine Verbitterung über die Ereignisse verstärken sich in den kommenden Jahren.

Der deutsche Triumph von 1870/71 wird zur großen Niederlage des bayerischen Königs.

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