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Ludwigs Interesse an den Staatsgeschäften schwindet immer mehr. Die politischen Enttäuschungen der deutschen Reichsgründung sind zu groß. Ein Höhepunkt des Jahres 1872 ist die Grundsteinlegung für das Festspielhaus in Bayreuth, das Ludwig II. seit jeher am Herzen lag. Bereits vier Jahre später lädt Richard Wagner zu den ersten Festspielen in den Bayreuther Operntempel ein.
Und endlich, nach 8 Jahren, begegnen sich der Komponist und sein Förderer wieder. Ludwig II. nimmt an den Generalproben zu Rheingold und der Götterdämmerung teil. Doch bevor die offizielle Eröffnung beginnt, reist er wieder ab und flieht in die Einsamkeit seiner geliebten Berge. Zu Beginn seiner Regierungszeit war Ludwig II. ein gutaussehender Mann, der sein Volk bezaubern konnte. Doch allmählich schwindet seine Schönheit. Er ißt zuviel Süßigkeiten und verliert seine Zähne. Eine Zahnprothese will er nicht tragen. So muß sein Aussehen zur Last werden, die seine Abkehr von den Mitmenschen noch verstärkt. Auch kommt jetzt noch die Geisteskrankheit seines Bruders Otto zum Ausbruch. Otto muß ständig überwacht werden. Bei Ludwig II. stellt sich die ständige Angst ein, ihn könnte dasselbe Schicksal ereilen. In den folgenden Jahren nimmt er auf 130 Kilogramm Gewicht zu. Er muß das Reiten aufgeben und läßt sich fortan nachts in prunkvollen Schlitten und Kutschen von einem Schloß zum anderen fahren. Die Reitknechte, die ihn begleiten, müssen maßgeschneiderte Rokokokostüme tragen. Die goldenen, barocken Schlitten und Galawägen mit ihrer üppigen Beleuchtung entspringen seiner übersteigerten Traumwelt. Die Landbevölkerung ist zutiefst beeindruckt. Schon früh nennt sie Ludwig II. deshalb den "Märchenkönig". Der Bau von Schlössern wird allmählich zu Ludwigs einzigem Lebensinhalt. Zur gleichen Zeit laufen die Arbeiten an drei Schlössern: Linderhof, Neuschwanstein und Herrenchiemsee. Doch dem König reicht das nicht. Seine Phantasie, seine Träume beflügeln ihn zu immer gewagteren Projekten: Schloß Falkenstein Byzantinisches Schloß Chinesischer Sommerpalast und eine Barke sollte ihn stilvoll zu seinem Schloß Herrenchiemsee bringen Mit all den Aktivitäten nimmt auch die Verschuldung des Königs zu. Der Schuldenberg wächst bis zum Jahr 1884 auf 7 Millionen Mark an. Eine Bankanleihe entspannt für kurze Zeit seine finanzielle Situation. Ludwig II. kann in seiner illusionären Welt weiterträumen. Und das am liebsten in völliger Einsamkeit und Ungestörtheit. Immer mehr Einzelvorstellungen müssen im Hoftheater abgehalten werden. Nur gelegentlich dürfen Ehrengäste daran teilnehmen. "Ich kann keine Illusion im Theater haben, solange die Leute mich unausgesetzt anstarren und mit ihren Operngläsern jede meiner Mienen verfolgen. Ich will selbst schauen, aber kein Schauobjekt für die Menge sein." sagt der König.
Im Laufe seines Lebens besucht Ludwig II. mehr als 400 solcher Privatvorstellungen. Nach einer Aufführung kann espassieren, daß er an diesen oder jenen Schauspieler Geschenke oder Blumen schicken läßt. So auch an den Schauspieler Joseph Kainz. Zwischen den beiden entwickelt sich eine schwärmerische Beziehung. Der junge Kainz erhält eine Einladung nach Schloß Linderhof und muß dem König aus dessen Lieblingsstücken deklamieren. Eine gemeinsame Reise in die Schweiz folgt. Aber wie so oft ist auch diese Beziehung nicht von Dauer.
Wieder erlebt der innerlich einsame König eine Enttäuschung. Die Sehnsucht nach der wahren Freundschaft erfüllt sich nicht. Ludwig II. verliert sich zunehmend in seiner Traumwelt. Unterdessen spitzt sich die finanzielle Situation des Königs zu - jeder Bezug zur Realität scheint verloren zu sein. Zwar entnimmt Ludwig II. die Gelder für seine Bauten nicht dem Staatshaushalt, sondern seiner eigenen Hofkasse. Doch auch diese Mittel sind inzwischen erschöpft. Seine Verwandten und die Minister machen sich mehr und mehr Gedanken über die Regierungsfähigkeit des Königs. Es wird ein Ausweg gesucht. Doch der Gang der Ereignisse gleicht von nun an einer Tragödie.
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