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Das tragische Ende

Zu dieser Zeit ist es nicht einfach , einen König abzusetzen. Man versucht einen Plan zu entwickeln. Einige Nervenärzte unter der Leitung des Obermedizinalrats Dr. von Gudden erstellen in aller Eile ein psychiatrisches Gutachten über den König. Aufgrund von sehr zweifelhaften Zeugenaussagen, und ohne Ludwig II. je untersucht zu haben, fällten sie ihr Urteil: "Wir erklären einstimmig: Seine Majestät sind in sehr weit fortgeschrittenem Stadium seelengestört, und zwar leiden Allerhöchstdieselben an jener Form von Geisteskrankheit, die den Irrenärzten aus Erfahrung wohl bekannt, mit dem Namen Paranoia (Verrücktheit) bezeichnet wird..."

Der Vorsitzende des Ministerrates, Freiherr von Lutz hörte dies gern, denn nun konnte er, dem eine Entlassung durch König Ludwig II. drohte, Prinz Luitpold die Entmündigung des Königs vorschlagen - und gleichzeitig sein Verbleiben im Amt sichern. Der Kronrat beschließt die Entmündigung und Absetzung des Königs. Prinz Luitpold, der Onkel Ludwigs II. soll an seiner Statt regieren.

Eine Kommission wird bestimmt, die dem König seine Absetzung mitteilen und ihn gefangen nehmen soll.

Ludwig II., der sich in den Tagen der Verschwörung in Neuschwanstein aufhält, soll unter strengen Sicherheitsvorkehrungen nach Schloß Berg am Starnberger See gebracht werden.

In der Nacht des 9. Juni 1886 trifft die Hofkommission in den Allgäuer Alpen ein. Bevor die Ärzte, Minister und sonstige Beteiligte zum Schloß Neuschwanstein hinaufziehen, stärken sie sich mit einem fürstlichen Diner.

Der königliche Leibkutscher Osterholzer, welcher zufällig die Ankunft der Kommission beobachtet, warnt sofort den König. Man empfiehlt Ludwig II. zu fliehen. Doch der gibt sich noch nicht geschlagen. Ludwig läßt die eintreffende Hofkommission festnehmen und einsperren. Wenige Stunden später gelingt es den Herren der Kommission jedoch, die königstreuen Gendarmen einzuschüchtern, und ihre Freilassung herbeizuführen. Unverrichteter Dinge zogen sie wieder von dannen.

Zwei Tage später, unmittelbar nach der Proklamation von Luitpold zum Prinzregenten, wird erneut eine sogenannte "Fangkommission" nach Neuschwanstein geschickt. Dieses Mal gelingt es ihr, mit Hilfe regierungstreuer Gendarmen das Schloß Neuschwanstein zu umstellen. Dem König bleibt keine Möglichkeit, zu fliehen. Er denkt an Selbstmord.

"Von der höchsten Stufe des Lebens hinabgeschleudert zu werden in ein Nichts - das ist ein verlorenes Leben, das ertrage ich nicht. Daßman mir die Krone nimmt, könnte ich verschmerzen, aber daß man mich für irrsinnig erklärt hat, überlebe ich nicht."

Ludwig II. verlangt von einem Kammerdiener den Schlüssel zum Turm. Doch der Schlüssel ist unauffindbar. Wahrscheinlich könnte Ludwig II. auch jetzt noch fliehen , doch er ist kein Kämpfer oder Krieger.

Der letzte Akt des Dramas beginnt.
Der entmündigte Monarch wird in sein Schloß nach Berg am Starnberger See gebracht. Das Schloß soll eiligst in ein Irrenhaus umgebaut werden. Die Türklinken werden abmontiert und Gucklöcher gebohrt, durch die der König beobachtet werden soll. Man plant weitere Sicherheitsmaßnahmen. Doch dazu kommt es nicht mehr. Die folgenden Vorgänge sind höchst mysteriös und geben bis heute Anlaß zu Spekulationen.

Am 2. Tage nach seiner Ankunft in Berg - es ist Pfingstmontag - will Ludwig II. am Ufer des Sees spazierengehen. Schon immer hat es Ludwig II. verstanden, durch sein freundliches und gewinnendes Wesen Menschen für sich einzunehmen. Es ist ein Leichtes für ihn, auch Dr. von Gudden um den Finger zu wickeln und mit ihm diesen Spaziergang zu unternehmen. Auf begleitendes Personal wird verzichtet, denn der Arzt hat den Eindruck, den König bereits fest im Griff zu haben.

Doch von diesem Spaziergang kehren beide nicht mehr zurück.

Der Park wird daraufhin spät nachts fieberhaft durchsucht. Man findet nur den völlig durchnäßten Hut des Königs mit der Diamant-Agraffe und, einige Schritte entfernt davon, Dr. von Guddens Regenschirm. Das Suchgebiet wird erweitert. Mit einem Boot durchkämmt man das Ufergebiet. Schon bald wird man fündig. Auf dem Grund des Sees liegt der leblose Körper des Monarchen. Nicht weit davon findet sich auch der Leichnam des Arztes. An der Fundstelle ist der See gerade mal einen Meter tief. Die Taschenuhr des Königs ist durch das Eindringen des Wassers bei 6 Uhr 54 stehengeblieben.
König Ludwig II. von Bayern ist tot.
Die Meldung verbreitet sich im Lande wie ein Lauffeuer. Die Aufregung in der Bevölkerung ist groß.
War es Mord? War es Selbstmord?
Bis heute wird darüber spekuliert.

Das tragische Ende des Märchenkönigs Ludwig II. wird ein Rätsel bleiben. Ludwig II. hatte einmal gesagt:

"Ein ewiges Rätsel will ich bleiben mir und anderen."

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