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Freundschaften des Königs

Die Damenwelt liegt Ludwig zu Füssen. Mit verschiedenen Tricks versuchen ehrgeizige Mütter, ihre Töchter in die Nähe des Königs zu bringen. Ludwig erhält unzählige Liebesbriefe, die alle in den Papierkorb wandern. Von vielen Seiten wird Ludwig bedrängt, doch nun endlich zu heiraten.

 

Im Frühjahr 1867 kommt es zur großen Überraschung: Das Verlöbnis Seiner Majestät mit Sophie, der Schwester der österreichischen Kaiserin Elisabeth, wird bekannt gegeben. Geschäftig werden die Vorbereitungen getroffen. Verlöbnisbilder der beiden werden in Umlauf gebracht, Gedenkblätter und Erinnerungsmünzen hergestellt. Doch bald stellt sich heraus, daß alle Hochzeitsaktivitäten umsonst waren. Nachdem der König den Trauungstermin mehrmals verschoben hat, löst er das Verlöbnis schließlich auf. Befreit notiert Ludwig II. in sein Tagebuch: "Sophie abgeschrieben. Das düstere Bild verweht; nach Freiheit verlangte ich, nach Freiheit dürstet mich." 

Elisabeth, die Schwester der verschmähten Braut, sieht das natürlich anders; sie schreibt: "Es gibt keinen Ausdruck für ein solches Benehmen. Ich bin nur froh, daß Sophie es so hinnimmt. Glücklich hätte sie weiß Gott mit so einem Mann nicht werden können."

Mit der 8 Jahre älteren Cousine Elisabeth, genannt "Sissi", verbindet Ludwig II. eine Wesensverwandtschaft. Wie er, liebt sie die Pferde und lange Ausritte. Auch Sissi ist in einer Traumwelt gefangen. Bis zu Ludwigs Tod besteht zwischen den beiden eine schwärmerische, platonische Freundschaft.

Ludwig II., der Souverän, muß seinen Untertanen ein Vorbild sein. So ist es nicht verwunderlich, daß er an den Moralvorstellungen seiner Zeit festhält. Nur die reine, geistige Liebe ist gestattet. Die körperliche Liebe, die Sinneslust empfindet er als Sünde. So steht er in einem ständigen Kampf mit sich selbst.

Wie bei Tristan und Isolde sucht Ludwig II. den Ausweg aus seiner Sehnsucht nach Liebe im Metaphysischen. Nur in einer anderen Welt können die Liebenden endlich vereint sein.

"So stürben wir
nun ungetrennt’
ewig einig
ohne End’
ohn’ Erwachen
ohn’ Erbangen
namenlos, in Lieb’ umfangen
ganz uns selbst gegeben
der Liebe nur zu leben..."

Im Laufe seines Lebens hat Ludwig II. eine Reihe von Freundschaften, wie die mit seinem Flügeladjutanten Paul von Thurn und Taxis. Diese Freundschaften entspringen oft überschwenglichen Gefühlen, und sie enden meist ebenso plötzlich, wie sie begonnen haben.

Manche aber, wie die mit seinem Stallmeister Hornig, überdauern längere Zeit. Ludwig II. lernt den 4 Jahre älteren Richard Hornig im Mai 1867 kennen. Von Hornig sagt man, daß er ein nicht ungebildeter Mann sei. Der Stallmeister genießt das besondere Vertrauen des Königs und darf die Dienste eines Hofsekretärs verrichten.

In Ludwigs Tagebuch finden sich Stellen, die auf einen Richard hinweisen. Keinesfalls ist Richard Wagner gemeint, wenn der König im März 1872 schreibt: "Gerade 2 Monate bevor es 5 Jahre sind, daß wir uns an jenem seligen 6ten Maitag 1867 kennen lernten, um uns nie mehr zu trennen, und nie von einander zu lassen bis zum Tode. " und weiter oben heißt es: "Bei unserer Freundschaft sei es geschworen, auf gar keinen Fall mehr vor dem 3ten Juni ..."

Nur das Wort Ludwig und die verschlungenen Buchstaben L und R stammen vom König. In einer anderen Handschrift steht daneben Richard und ebenfalls das L und R ineinander verschlungen. Richard Hornig lernt Ludwigs Hingabe, aber auch Herrschsucht kennen. Er fällt beim König mehrfach in Ungnade. Aber diese währt nie allzu lange. Der "edle und gute Richard", wie ihn Ludwig nennt, wird immer wieder mit Geschenken überhäuft und erhält sogar eine Villa am Starnberger See.

Ein Jahr vor Ludwigs Tod muß Richard Hornig den König verlassen, er ist endgültig in Ungnade gefallen.

Trotz dieser und anderer Annäherungen hat Ludwig II. nie einen echten, wahren Freund.

"Und wer den höchsten Königsthron gewann
und keinen Freund hat, ist ein armer Mann."
So schreibt Ludwig angeblich an eine Wand in
Schloß Berg."

Einen Tag nach der Uraufführung der Meistersinger im Jahre 1868, steht eine doppelte Feier an. Ludwig II. und Richard Wagner stoßen sowohl auf den Theatererfolg an, als auch auf den 55. Geburtstag des Komponisten.

Im Herbst des gleichen Jahres kommt es allerdings zu starken Spannungen zwischen dem König und Wagner: Ludwig II. erkennt erst jetzt die wahre Beziehung zwischen dem Komponisten und Frau Cosima von Bülow. Einige Monate bleiben alle Briefe Wagners an Ludwig unbeantwortet. Die beiden werden sich erst nach 8 Jahren wiedersehen.

Ab seinem 24. Lebensjahr widmet sich Ludwig II. verstärkt seinen Schlössern. Im Sommer 1869 erfolgt die Grundsteinlegung für das Königshaus auf dem Schachen. Im Herbst beginnt der Bau von Neuschwanstein. Ein Jahr später startet die 9 jährige Bautätigkeit für Schloß Linderhof.

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