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Gallerien zu Ludwig II.

Informationen - Neuschwanstein
Ferne von dem Inselschlosse Herrenchiemsee, „dem unvollendeten Königstraume von gigantischer Grösse", erhebt sich an der uralten Grenzscheide zwischen Bayern, Tirol und Schwaben die stimmungsvollste Schöpfung König Ludwig II. von Bayern, die stolze Burg Neuschwanstein. Sage, Dichtung und Geschichte schlingen um den ganzen Schwangau ihre üppigen Ranken und auch das Königsschicksal Ludwig II. spielt hier herein von den glücklichen Tagen goldener Kinderzeit bis zum erschütternden Abschlusse seiner Regentenjahre.

Begeistert preist jede Schilderung die wundervolle Lage der Königsschlösser Hohenschwangau und Neuschwanstein inmitten beseligender Wald­ und Bergeinsamkeit, und die glanzvolle Vergangenheit dieser Edelsitze umweht heute noch ihre Mauern.

Aus den Trümmern der zerfallenen Burg Vorderschwangau erstand Neuschwanstein als mächtige Königsburg im Stile des 12. Jahrhunderts und ragt von dem gewaltigen Tegelfelsen mit Giebeln, Türmen und Zinnen stolz in die Lüfte, bezaubernd durch den Reiz seiner Lage und die königliche Pracht der Ausgestaltung seiner Prunkräume; die ganze Romantik des mittelalterlichen Ritter- und Minnesängerlebens spiegelt sich in diesem vornehm edlen Prunke und in dem imposanten Bauwerke: „kraftvoll und trutzig nach Aussen, süss minniglich, traulich und hehr im Innern."

Wenn drüben im Schlosse Linderhof und im Riesenbau von Herrenchiemsee der deutsche Beschauer mit schmerzlichem Staunen die Verherrlichung des grossen französischen Königszeitalters gewahrt und erst nach völliger Loslösung von seinem patriotischen Empfinden der Glanzleistung des Kunstgewerbes und der Kunst mit stets steigernder Bewunderung gerecht zu werden vermag, so bewirkt der Gang durch die deutsches Wesen atmenden Räume Neuschwansteins jene erhabene Stimmung, die das Ensemble von Natur, Kunst, Geschichte und Sage frohlockend bewundern lässt.  

Eine gewaltige Epoche deutscher Geschichte führt Neuschwanstein, in den stimmungsvollen Rahmen jener Zeit gefasst, vor Augen.

 

Wie in allen Bauschöpfungen König Ludwig II. rangen auch in Neuschwanstein Kunst und Kunstgewerbe um die Palme und schwer ist es zu entscheiden, welchem der beiden diese gebührt. Der Kunst bot sich in den Gemächern und Sälen ein weites Feld in der völlig originalen Ausgestaltung der Wandflächen auf der Grundlage der altdeutschen Sagenwelt, welche die Burg zum höchsten Heiligtum deutschen Wesens gestaltet und das Münchens Künstler in jahrelangem, emsigen Schaffen als vollendetes Meisterwerk erstehen liessen, der gleiche duftige Hauch, der draussen über der paradiesischen Landschaft liegt, verklärt im Innern der Burg die Darstellungen von Minneglück und Minneleid, Heldengrösse und dem weihevollen Glanze der Gralssage mit poesiereichem Zauber.

Anscheinend weniger als in den Schlössern Linderhof- und Herrenchiemsee tritt die Bedeutung der kunstgewerblichen Leistungen hervor und doch ist es gerade die scheinbare Unterordnung des Kunsthandwerkes, die durch die hier geschaffene Vereinigung der Leistungen beider Kunstzweige zu staunender Bewunderung zwingt.

Mit der Burg Neuschwanstein ist das tief unter derselben in lauschiger Waldpracht verborgene Schloss Hohenschwangau unzertrennbar verknüpft und seine Besichtigung für Jeden unerlässlich, welcher des königlichen Bauherrn vielseitigem Kunstsinn gerecht zu werden bestrebt ist; denn in den Räumen dieses Schlosses sind die sehnsuchtsvollen Impulse und mächtigen Jugendeindrücke nachzufühlen, welche den Plan zum Bau der stolzen Königsburg droben am Tegelfelsen entstehen und vollenden liessen.

Eines haben alle Baudenkmäler König Ludwig II. gemeinsam, den wundervollen landschaftlichen Rahmen, der sie umgibt.

Hier im Schwangau entzückt und bezaubert der Reiz der majestätischen Hochgebirgswelt, der aus Waldesdunkel aufleuchtenden Alpenseen und der wundersamen, grünen Waldpracht.

Wenige Schritte von der zu den Schlössern führenden, stets belebten Strasse geleiten den Wanderer auf vielverschlungene Pfade, in trauliche Wald­und Bergeinsamkeit, deren Frieden wohltuend auf den Städter einwirkt; hier erfreut ihn der Zauber der über dieser Stätte waltenden, tausendjährigen ereignisreichen Vergangenheit, Dichtung und Sage weben verklärend farben­frische Bilder in das friedeatmende Idyll, dessen unendlicher Liebreiz nicht nur wirkt, solange die Berge und Seen verlockend grüssen, der Wald geheimnisvoll flüstert und die Giessbäche tosend rauschen, sondern auch: lange noch, wenn man aus seinem Bannkreis heraus in das alltägliche Leben zurückgekehrt ist.

Quelle: Die bayerischen Königsschlösser - Herren-Chiemsee, Neuschwanstein, Linderhof, Hohenschwangau, Berg - Geschildert von Hans Steinberger in Prien, Verlag Franz Speiser 1909

 

Informationen zum Schloss Neuschwanstein

Aktuelle Informationen zum Schloß Neuschwanstein, mit allen Kontakt Informationen etc. finden Sie auf den Seiten der Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen.

 Informationsseite der Bayerischen Schlösserverwaltung

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