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à la Eulenburg-Hertefeld Anmerkungen zu Memoiren in einer Buch-Neuauflage von Erika Brunner und Peter Glowasz Neben der Briefveröffentlichung von Robert Holzschuh (»Das verlorene Paradies Ludwigs II.«) - wi r haben das Buch bereits besprochen - ist noch zeitgleich ein anderes problematisches Ludwig-Buch erschienen; sein Titel: »Das Ende König Ludwigs II.«. Es ist die Neuauflage der Memoiren des preußischen Gesandtschaftssekretärs Philipp Fürst zu Eulenburg-Hertefeld, herausgegeben von Klaus von See. Aus aktuellem Anlass möchten wir hierdurch die Besprechung des vorgenannten Buches nachholen. Die Memoiren des Fürsten erschienen zu der Zeit, als nach dem Sturz der Monarchie in Deutschland die Kritik an dem Entmündigungsverfahren Ludwigs II. immer lauter wurde - und endlich ungefährdet geäußert werden durfte. Diese Entwicklung rief eine ganze Reihe von Memoiren der noch lebenden Zeitzeugen hervor, die für Ludwigs Schicksal verantwortlich waren und sich nun durch alte und neue Anschuldigungen gegen den König zu rechtfertigen versuchten. Zugleich entsprachen die abfälligen Urteile der noch lebenden in die Königstragödie verwickelten Zeitzeugen der antimonarchischen Zeittendenz - und »Enthüllungsgeschichten« à la Eulenburg dürften in der jungen Republik ein breites Leserinteresse gefunden haben. Zwischen den Jahren 1925 und 1935 erschienen die königsfeindlichen Memoiren von Dr. Franz Carl Müller, Baron Karl Theodor Freiherr von Washington, Hugo Graf von Lerchenfeld-Koefering, das Edir Grein-Tagebuch aus dem Hause Johannes Freiherr von Lutz - und eben auch Philipp Graf von Eulenburg-Hertefeld. Unter den Chronisten ist Eulenburg-Hertefeld wohl der Unseriöseste und Sensationsfreudigste. Dieser Herr kannte den König persönlich nicht einmal flüchtig und verfügte weder über die Kenntnis heute veröffentlichter schriftlicher noch mündlicher Selbstzeugnisse König Ludwigs II. Seine Ausführungen, in denen sich Wahrheit und groteske Erfindungen der Münchner Szene nach der Königskatastrophe mit Gesandtschaftsklatsch bunt mischen, sind ein Vorläufer der Yellow-Press-Berichterstattung! Eulenburg-Hertefeld rühmt sich seines persönlichen Engagements beim Sturz des Königs, womit über die Tendenz seiner Memoiren alles gesagt ist. Es mutet an wie eine Ironie des Schicksals, dass Eulenburg-Hertefeld - berechtigt oder unberechtigt - selbst die zeitgemäße Diffamierung als Homosexueller zu ertragen hatte, nachdem er süffisant wie kein anderer Brief- oder Memoirenschreiber sich über diese Seite der königlichen Persönlichkeit ausließ, ebenfalls gleichgültig, ob sein Urteil zutraf oder auch nicht. Immerhin ist es beachtenswert, dass selbst der königsfeindliche Eulenburg-Hertefeld praktizierte Homosexualität nur für die letzten Lebensjahre des Königs annimmt. Seine an diesem Komplex sehr interessierten und farbigen Schilderungen wecken die Vermutung, es sei bei seinen Berichten über das königliche Intimleben doch das im Spiel gewesen, was Psychologen »Projektion« nennen, doch seine Intimsphäre sollte ebenso wie die des Königs Spekulationen entzogen sein. Die weiteren Aussagen Eulenburgs über angebliche Tatsachen, die das Persönlichkeitsbild Ludwigs II. verdunkeln, werden von so vielen qualifizierten Zeitzeugen bzw. Historikern widerlegt oder zumindest bestritten, dass es unmöglich ist, an dieser Stelle ins Detail zu gehen. Wenngleich hier eine kritische Taschenbuch-Ausgabe vorliegt, die den Historikerstreit um Ludwig II. objektiv zu schildern bemüht ist - und seriöser erscheint als die Buchausgabe von Holzschuh über die Hesselschwerdtbriefe - so ist es doch sehr bedauerlich, dass diese hier besprochene Neuauflage als solche in der Materie unerfahrenen Lesern das überholte und äußerst tendenziös verzerrte Ludwigbild des Fürsten Eulenburg-Hertefeld vermittelt. Inzwischen liegt uns eine weitere Buch-Neuerscheinung »Königsmord am Starnberger See« von Rudolf Reiser vor. Schon jetzt halten wir dieses Werk für sehr bedenklich, weil wir feststellen müssen, dass die für den Autor kompetenten Quellen hinsichtlich seiner Behauptungen in dem Buch auch die des Fürsten Eulenburg-Hertefeld sind. Eine ausführliche Buchbesprechung wird in Kürze folgen. Copyright © November 2002 by Peter Glowasz Verlag
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