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Anmerkungen zur angeblichen Homosexualität König Ludwigs II. von Bayern von Peter Glowasz Ludwig bekämpfte streng moralisch alle sexuellen Regungen und verzweifelte, wenn es nicht immer gelang. Er suchte und fand Sublimierung in platonischen Freundschaften zu beiden Geschlechtern. Wenn er sich für Menschen seines eigenen Geschlechtes glühend begeisterte, so erschienen sie seiner Phantasie wie die Gralsritter seines Jugendtraums, und die Enttäuschung war da natürlich vorprogrammiert. Doch seine Briefe an Frauen waren nicht weniger leidenschaftlich, und der französische Literat Guy de Pourtalès, der Einblick in die heute leider nicht mehr erhaltenen Briefe an die Schauspielerin Lila Bulyowski nehmen konnte, sagte, sie seien so glühend gewesen, dass sie vor Leidenschaft das Papier verbrannten! Berücksichtigt man außerdem, dass in Ludwigs Schlössern Frau Venus und andere unbekleidete Damen in den Künsten überall präsent sind, so lässt sich nicht einmal eine heroisch unterdrückte homoerotische Veranlagung mit absoluter Sicherheit behaupten. Die in den Tagebüchern bereuten wider Willen stimulierenden Küsse können zieht man gewisse Äußerungen Ludwigs heran unter Umständen sogar symbolischen Gegenständen oder Bildern gegolten haben, und die in der Presse soviel Wirbel erregenden Photographien und nicht ihre Originale könnten möglicherweise die Phantasie des Königs erregt haben. Die faszinierende Macht des Bildes hat die Kunst immer wieder geschildert. Wen oder was der König küsste, ob er homosexuell, heterosexuell, oder keins von beiden war, und was er sich nun konkret im Tagebuch eigentlich vorzuwerfen hatte, das ist ein Geheimnis, das er mit ins Grab nahm. Wir haben genügend Zeugnisse von Menschen, die für ihn arbeiteten, zuweilen unter seinen Exzentrizitäten litten und dennoch für ihn durchs Feuer gegangen wären, ohne deshalb seine Liebhaber gewesen zu sein. Selbst wenn tatsächlich eine homophile Veranlagung Ludwigs vorgelegen haben sollte, so war er als Persönlichkeit viel zu differenziert und zu hochstehend, um ihr in einer Weise nachzugeben, die sein Bild herabsetzen könnte. Wie sehr er der platonischen und asexuellen Liebe fähig war, zeigt seine lange Freundschaft mit Richard Wagner, und wie unhaltbar alle schon von den Zeitgenossen geäußerten Verdächtigungen dieser Freundschaft waren, habe ich in meinen Büchern nachgewiesen. Die Seelen und Gefühlswelt Ludwigs II. ist so ungewöhnlich und außerordentlich, dass alle Versuche sexueller und emotionaler Festschreibung vor ihr versagen. Das Rätsel bleibt. Ausführliche Berichte und Interviews zu diesem Thema enthält die große CDHörbuchSerie: „Herrlichkeit und Tragik eines Märchenkönigs Die König Ludwig II.Story", die zum 115. Todestag des Königs am 13. Juni 2001 startet. Auskünfte und Bestellungen beim Peter Glowasz Verlag, Kahlstraße 299 10713 Berlin. Dieser Artikel wurde geschrieben von Peter Glowasz, Berlin und im Internet veröffentlicht. © by Peter Glowasz 2001
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