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Verbirgt der Sarkophag1 König Ludwigs II. tatsächlich ein Geheimnis? Befindet sich in ihm der einbalsamierte Leichnam Ludwigs II.? Bekanntlich ranken sich bis zum heutigen Tage viele Anekdoten und reißerische Geschichten um den von Architekt und Oberhofbaurat Julius Hofmann, entworfenen und von Zinngießermeister J. Rößler geschaffenen prächtigen Königssarg. Schon während der Aufbahrung der sterblichen Hülle m der alten Kapelle der Residenz verbreitete sich unter der vorbeiziehenden dichten Menschenmasse das Gerücht, in dem Sarg würde eine Wachspuppe liegen; sie alle, die vom König Abschied nahmen, waren fest überzeugt, das war nicht der tote König. Man erinnerte sich an einen Zeitungsartikel, in dem berichtet wurde, daß die von Professor E. Eberl abgenommene Totenmaske von Hof-Gipsformer Mahr gegossen wurde; hat man vielleicht davon einen Wachsabguß gemacht, ihn verschönert, angemalt und in den Sarg gelegt? Tatsächlich soll das Gesicht Ludwigs wachsgelb2 ausgegeben haben. Eingeweihte behaupteten später, daß ein Maskenbildner Ludwigs Antlitz mit einer Wachsschicht überzogen hätte, um es würdig zu zeigen. Im Jahre 1954 hat der damals etwa 70 Jahre alte Ludwig HammerstingI, Sohn von Jakob Hammerstingl, dem Stadtheimatpfleger Peter Vornehm aus Töging ein Geheimnis anvertraut. Sein Vater, Jakob Hammerstingl, sei unter den Hartschieren (bayer. Leibgardist) gewesen, die in der Alten Kapelle der Residenz Tag und Nacht - drei Tage lang - an den Stufen der Estrade vor dem aufgebahrten König regungslos Totenwache halten mußten. Bei Androhung schärfster Bestrafung sei es ihnen verboten gewesen, sich dem Sarkophag zu nähern. Der Gerüchte um den Tod und der Tatsache wegen, daß das Antlitz des Königs so völlig unentstellt, schier maskenhaft schön war, habe er in einem unbeobachteten Augenblick bei einem Wachwechsel dies doch getan und zwar gegen Morgen, bevor wieder kondolierende Bürger in den Innentrakt der Residenz eingelassen wurden. Durch die Berührung der sichtbaren Körperteile des Königs habe er entsetzt festgestellt, daß diese aus Wachs waren. Jakob Hammerstingl: "Das Ist nicht unser König, das ist eine Wachspuppe. Ich kann das beschwören !", soll er zu seinem Sohn gesagt haben. Aus Angst vor noch nachträglicher Strafverfolgung hat Jakob Hammerstingl dies erst kurz vor seinem Tod dem Sohn anvertraut; das Geheimnis wollte er nicht mit ins Grab nehmen - es sollte die Nachwelt wissen.
1Der Sarkophag König Ludwigs II. von Bayern hat ein Gesamtgewicht von ca. 20 Zentner, eine Länge von 2,75 m. eine Breite von 1,18 m und eine Höhe (ohne Königskrone, 50 cm) von 1,25 m.
2 Wenn Ludwig II. tatsächlich ein wachsgelbes Aussehen gehabt haben soll, dann muß dies nicht heißen, daß der Leichnam mit Wachs behandelt wurde. Ein Leichnam, der wachsgelb wirkt, wurde im Rahmen der Einbalsamierung nicht mit dem Farbstoff Eosin behandelt; im Todesjahr Ludwigs II kannte man diesen Farbstoff noch nicht. Die sterbliche Hülle König Ludwigs II. wurde in einem geöffneten Mahagonisarg vom 16. bis zum 18. Juni 1866 in der Alten Kapelle der Münchner Residenz aufgebahrt, Hartschiere, darunter auch Jakob Hammerstingl, mußten die Totenwache halten.
Mir liegt eine glaubhafte Erklärung vor, wonach die Ärzte bei der Sektion der Leiche Ludwigs II., besonders bei der Schädelöffnung, nicht sehr pietätvoll umgegangen sein sollen. Um dem Leichnam dennoch ein würdevolles Aussehen zu geben, soll man das Gesicht des Königs mit Wachs überzogen haben, dies könnte aber auch mit den übrigen sichtbaren Körperteilen wie den Händen so geschehen sein. Geht man also davon aus, daß eine Wachsbehandlung der sterblichen Überreste Ludwigs II. tatsächlich durchgeführt wurde, dann hat der Leibgardist Jakob Hammerstingl zwar die sichtbaren Körperteile des Königs berührt, die sich aber nur von seinem Gefühl her wie eine Wachspuppe angefaßt haben könnten. Zur Beschaffenheit des neoklassizistischen Sarkophags und der in ihm eingelegten Särge als auch zur Einbettung des einbalsamierten Leichnams Ludwigs II. ist folgendes auszuführen: Nach erfolgter Einbalsamierung wurde die Leiche des Königs in die schwarze Tracht des Großmeisters des hohen Hausordens vom heiligen Hubertus mit einem anliegenden schwarzen Samtgewand mit Jabot und gebauschten Spitzen-Manschetten, unterbreitet mit dem prächtigen Ordensmantel, gekleidet. Die linke Hand hält ausgestreckt ein Schwert, während die Rechte jenen kleinen, von der Kaiserin Elisabeth von Österreich (genannt: Sisi) in Feldafing selbst gepflückten und gesandten Strauß weißer Jasminblüten auf die Brust drückt, die Hände mit den feinen weißen, langen Fingern tragen keine Handschuhe. Nach der Aufbahrung des Leichnams auf dem schräg gelagerten Paradebett (geöffneter Mahagonisarg) vom 16. bis zum 18. Juni 1886 in der alten Residenzkapelle wurde dann der geschlossene Sarg in die Münchner Sankt Michaelskirche in der Neuhauser Straße für die Beisetzung am 19. Juni 1886 überführt. Im Anschluß an die Einsegnungsfeierlichkeiten in der Kirche wurde der Mahagonisarg in die prachtvoll dekorierte Fürstengruft getragen. In der Gruft stand im abgegrenzten Altarraum ein bereits geöffneter bräunlicher, vergoldeter Zinksarg zur Aufnahme des Mahagonisarges mit dem Leichnam Ludwigs II. bereit. Erzbischof Antonius von Steichele nahm das feierliche Begräbnis vor. Nach Verrichtung der letzten Gebete in der Mitte des Altarraumes der Gruft wurde dann der Mahagonisarg in den Zinksarg eingelegt und dieser gemäß einem Protokoll vom 19. Juni 1886 am Kopf- und Fußende von Staatsminister Krafft Freiherr von Crailsheim doppelt versiegelt und mit zwei Schlössern verschlossen; später wurde dann der Zinksarg luftdicht verlötet. Erst am 22. Oktober 1886, nach Vollendung der notwendigen baulichen Vorarbeiten in der Königsgruft, erfolgte dann die Umbettung des einbalsamierten3 Leichnams König Ludwigs II in den von J. Rößler geschaffenen Zinnsarg (Sarkophag). In der Gruft der im Jahre 1597 fertiggestellten und eingeweihten Sankt Michaelskirche in der Neuhauser Straße zu München fand König Ludwig II, seine letzte Ruhestätte. Ein Bombenangriff am 25. November 1944 zerstörte die Sankt Michaelskirche fast völlig. Die Trümmer überschütteten auch die Wittelsbacher Fürstengruft, so daß Teilflächen am Sarkophag Ludwigs II. ebenfalls beschädigt wurden. Darüber gibt es eine absolut seriöse Information eines Augenzeugen, einem Architekturstudenten, der in den Nachkriegsjahren 1945/45 neben anderen Studenten für ein kleines Entgelt mit Aufräumungsarbeiten bzw. Schuttwegräumung in der Kirche und in der Gruft beschäftigt wurde; dieser Student berichtete auch, daß sich zu diesem Zeitpunkt der Leichnam Ludwigs II. im Sarg befand. Der Sarkophag war in seiner Geschichte recht unterschiedlichen Einflüssen ausgesetzt und hat, wie schon erwähnt, Kriegsschäden erlitten; eine genaue Aussage über eine mögliche Entstehung oder Ursache eines bestimmten Schadens wäre nur durch eine chemische Analyse des Materials aus der suspekten Stelle möglich bzw, aufschlußreich, wozu die Erlaubnis der Entnahme einer kleinen Probenmenge notwendig wäre. Eine nachträgliche Lötnaht könnte durch einen Vergleich des verwendeten Lötmaterials aus der fraglichen Schad- 3 Die Einbalsamierungsflüssigkeit setzt sich bei einem durchschnittlichen Körpergewicht von 70 kg folgendermaßen zusammen; Aqua des, 4 L, Alkohol 96% 4 L, Formaldehyd 40 % 500 ml, Chloralhydrat 200ml, Sublimat 100 ml, Eosin = nur einige Tropfen; mit der Beigabe von Eosin wird ein wachsgelbes Aussehen der Leiche vermieden (im Todesjahr Ludwigs II. gab es jedoch diesen Farbstoff noch nicht) - 5 Liter Flüssigkeit werden direkt in die Arteria femoralis injiziert. Der Rest intramuskulär in die großen Muskelpartien der Beine, Arme, des Rückens und Gesäßes gespritzt. Das Gesicht, die Finger und Zehen müssen mittels einer feinen Kanüle subkutan, das Gehirn mit einer langen und starken Kanüle durch die Nase (das Siebbein wird durchstoßen) injiziert werden. - Meine umfangreichen Recherchen haben ergeben, daß schon zum Todeszeitpunkt Ludwig II. diese vorgenannte Rezeptur der Charité Berlin auch den damaligen Instituten in Bayern bekannt gewesen sein mussten; insofern ist davon auszugeben, daß der König auch nach diesem Verfahren (eventuell mit einigen Abweichungen) einbalsamiert wurde. Im Dr. Senckenberg Pathologischen Institut der Universität Frankfurt / Main werden häufig noch Einbalsamierungen nach diesem alten Rezept vorgenommen. Der Redakteur der Zeitschrift, Der Präparator, Herr Siegfried Eckardt, teilte mir in einem Schreiben mit, daß >>ein gut einbalsamierter Leichnam<< nach dem vorgenannten Rezept sehr lange haltbar wäre; man könnte an ihm noch alle äußeren Einwirkungen sehen, sofern sie nicht bewusst verändert wurden. Vor einigen Jahren wurde das Gerücht verbreitet, im Zinksarg des Königs hätte man eine flache Ölwanne eingelegt, um so eine Fäulnisbildung unterhalb des einbalsamierten Leichnams Ludwig II. zu vermeiden. Dies entspricht nicht der Wahrheit. Die Verwendung von luftdichten Zinksärgen mit eingelegten Ölwannen dienten ledeglich dem meist langen Transport und sollten eine Austrocknung des Leichnams verhindern.
stelle mit demjenigen aus Nähten nachgewiesen werden, die eindeutig aus der Herstellung stammen. Schädigungen von innen ohne erkennbare Außeneinwirkung waren eigentlich nur nach Fehlern bei der Bestattung überhaupt denkbar, eigentlich nur vorstellbar, wenn derartige Fälle von anderen Sarkophagen bekannt wären. Äußerlich sichtbare Schadstellen können aufgrund der Geschichte unterschiedliche und auch recht plausible Ursachen haben. Dazu reicht zum Beispiel ein längerer Kontakt mit einem Eisenteil in feuchter Umgebung; sind nämlich zwei verschiedene Metalle über eine leitende wäßrige Lösung verbunden, bildet sich ein galvanisches Element (wie zum Beispiel in einer Batterie). Dadurch können starke Korrosionsschäden bis hin zu Löchern entstehen. Ohne Kenntnis der genauen Umstände läßt sich jedoch leider nichts aussagen. Fotoaufnahmen helfen auch hier alleine nicht weiter; ungünstige Lichtverhältnisse oder entstandene kleine Schlagschatten auf dem Foto lassen Schadstellen unter Umstanden nicht erkennen, könnten umgekehrt sogar nicht vorhandene vortäuschen. Auch bei klar erkennbaren Schädigungen, die Im Material liegen, gibt eine fotografische Wiedergabe nur oberflächlich Auskunft, nicht jedoch darüber, was darunter liegt. Analysen zur Zusammensetzung einer bestimmten Masse, die nach Kriegsende, also erst nach 1944/45, vermutlich für Reparaturen am Sarg verwendet wurde, sind von einem Bild allein nicht möglich. Auch die Farbe einer Substanz (Masse bzw. Material für Reparaturen) kann nur Vermutungen zulassen, ein Foto erlaubt jedoch noch nicht einmal eine zuverlässige Aussage über den Feuchtigkeitsgehalt; ledeglich entstandene Rissbildungen an der reparierten Stelle des Sarges können auf Austrocknung einer verwendeten Masse rückschließen lassen, mehr nicht. Diese fachlichen Auskünfte erhielt ich in längeren Gesprächen mit Herrn Dr. Kurt Osterloh; er ist tätig als Chemiker bei der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), Laboratorium: Durchstrahlungsverfahren. In seiner Abteilung ist Dr. Kurt Osterloh bestens für stationäre und auch für mobile Durchstrahlungsverfahren in der Fürstengruft der Sankt Michaelskirche gerüstet. So könnte er auch beispielsweise in einem entsprechend eingerichteten analytischen Labor chemische bzw. metallurgische Untersuchungen durchführen. Herr Dr. Osterloh ist Mitglied der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). - Im Jahre 1952 ließ Kronprinz Rupprecht von Bayern in der Gruft wieder alles instandsetzen; den Wittelsbacher Hausarchivar Hans Rall beauftragte er, mit ihm die Aufstellung und Anordnung der Särge neu durchzuführen. So tritt zum Beispiel in der Sankt Michaelskirche der Besucher jetzt zuerst vor den Sarg des Kurfürsten Maximilian I., des wohl politisch bedeutendsten Wittelsbacher Staatsmannes. Zwischen ihm und dem Erbauer der Sankt Michaelskirche, Herzog Wilhelm V. dem Frommen, liegt an seinem bisherigen Platz, gegenüber dem Altar, König Ludwig IT., der heute wohl volkstümlichste Wittelsbacher. Nun, gehen wir einmal hinunter zur Fürstengruft, die ein quadratisches, von vier Stein-Säulen getragenes Gewölbe darstellt. Dort steht nun sein Sarg unter weiteren vierzig Särgen seiner Familie. Da liegen sie, vermutlich gute, verdienstvolle Häupter Wer kennt sie aber noch? Dahin und vergessen. Nur sein Sarg ist und bleibt unvergessen. Mehr als doppelt so groß, sehr hoch, beherrscht er in barocker Pracht die karge Szene. - Und über dem Sarg prangt das große, prächtige Königswappen in rotem Samt, goldbestickt. - So ist es also zuletzt: sein Herz in Altötting, sein Leib hier in München. Der Schmerz ist vergessen, die Einsamkeit gewichen. Der Glanz ist geblieben. - Der Sarkophag König Ludwigs II. ist n i c h t l e e r ! Dies ergaben jetzt neueste Recherchen. Darüber liegt mir ein vertrauliches Schreiben einer Person aus München vor, die sich schon seit Jahrzehnten um eine Sarkophagöffnung bemüht; in dem Schreiben wird berichtet, daß etwa 1990/1991 alle Sarkophage und Särge der Gruß (...) durchleuchtet wurden, um angeblich festzustellen, ob alle >belegt< sind. Bei der Durchleuchtung des Sarkophags Ludwigs II. war auf dem Bildschirm eindeutig ein menschliches Skelett erkennbar; Beschädigungen von Knochen wurden nicht festgestellt - allerdings wird in dem Schreiben erklärt, daß man (angeblich!) darauf nicht geachtet hätte. Ob tatsächlich König Ludwig II. im Sarkophag liegt, müßte nunmehr gewissenhaft untersucht werden; zunächst ließ sich dies heutzutage durch eine zerstörungsfreie Durchleuchtungstechnik einwandfrei feststellen. Darüberhinaus wäre eine Öffnung des Sarkophags erforderlich. Herr Dipl.-mg. H.J. Malitte von der Bundesanstalt für Materialforschung und - Prüfung (BAM), Fachgruppe: Zerstörungsfreie Prüfung, Strahlenverfahren und Qualitätssicherung, hat mir schriftlich bestätigt, daß eine Durchleuchtung bzw. Durchstrahlung von Särgen und Sarkophagen grundsätzlich möglich ist. Mit Hilfe der inzwischen weiterentwickelten Computertomographie, CAT genannt, gelingt es heute, einwandfreie Befunde zu liefern. Die Computertomographie CAT ist ein modernes, zerstörungsfreies Prüfverfahren, welches die herkömmliche Radiographie in wertvoller Weise ergänzt und erweitert. Sie liefert Schnittbilder durch das Prüfobjekt, während bei der normalen Radiographie Schattenbilder erzeugt werden, bei denen alle Details in eine Bildebene übereinanderprojiziert werden. Die sehr eindrucksvolle Möglichkeit dieser zerstörungsfreien Prüfmethode CAT läßt sich beispielsweise an dem Kopf einer altperuanischen Mumie aus dem Fundus des Museums für Völkerkunde der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin demonstrieren: Bei Röntgenreihenuntersuchungen zeigte dieser Kopf eine für Röntgenstrahlen undurchlässige Platte oder Folie im Bereich der Stirnpartie. Es war zu klären, ob dieser Kopf ein Loch in der Stirn aufweist, welches mit einer Metallplatte verschlossen oder zumindest verdeckt worden war. Das mit Hilfe der CAT gewonnene sagittale Schnittbild zeigte deutlich, daß der gesamte Schädelknochen keine großen Verletzungen aufwies. Über der Metallfolie war die einhüllende Gewebeschicht gut zu erkennen. So würde man also auch im Falle einer Durchleuchtung des Sarkophags Ludwigs II. mit Hilfe der Computertomographie CAT Einzelheiten am Leichnam (z.B. Einschußstellen) gut erkennen. Prof. Dr. Josef Riederer vom Rathgen-Forschungslabor der Staatlichen Museen zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, teilte mir in seinem Schreiben folgendes mit: "(...) Auch ich bin sicher, daß mit Hilfe der >Computertomographie< der Inhalt eines Sarkophags genauer dargestellt werden kann, als mit der herkömmlichen Röntgenaufnahme, da die >Computertomographie< ein räumliches Bild des Inhalts vermittelt, während die Röntgenaufnahme nur zweidimensional ein Schattenbild widergibt, das im Fall von Sarkophagen undeutlich wird, da Holz, Textilien und Knochen eine ähnliche Dichte aufweisen. (...)." Wir wissen, daß mit Hilfe der heutigen Computertechnik eine Feststellung der Todesursache nach 114 Jahren möglich ist. Wir wissen auch, daß sich im Sarkophag der Leichnam Ludwigs II. befindet. Also stellt sich erneut die dringende Frage, wann bzw. inwieweit wird das Königliche Haus Wittelsbach der Bitte um Aufklärung der Todesursache bzw. Öffnung (zunächst Durchleuchtung) des Sarkophags König Ludwigs II. nunmehr nachkommen? Viele meiner engagierten Leserinnen und Leser aus dem In- und Ausland warten schon seit Jahren auf eine Stellungnahme des Königlichen Hauses Wittelsbach; sie drängen jetzt auf eine entsprechende Erklärung Lediglich eine Antwort erhielt ich von Herrn Christoph Graf von Preysing, dem Präsidenten der Verwaltung des Herzogs von Bayern, in einem Schreiben vom 2. November 1993: "(...) Was den Sarkophag König Ludwigs II. anbelangt, wurde dieser bisher nie geöffnet. Hierbei wird es nach dem Willen des Königlichen Hauses auch weiterhin bleiben. (...)." Zu dem Schreiben des Herrn Graf von Preysing ist grundsätzlich anzuführen, daß wir Ludwig-Forscher einerseits die Entscheidung des Königlichen Hauses Wittelsbach respektieren, andererseits werden wir uns jedoch unvermindert weiter um die Aufklärung des Falles Ludwig II. bemühen. Auch nach der Aufklärung der Todesursache würde der Mythos Ludwigs II. ungebrochen sein. Die Aufklärung würde vor allem bewirken, daß dem König nach 114 Jahren das Odium genommen wird, ein Mörder Dr. Guddens und Selbstmörder gewesen zu sein; auch würden viele Menschen von ihrem Irrglauben befreit werden, Ludwig II. wäre geisteskrank gewesen und ertränkte sich im Starnberger See. Eine Aufklärung - ganz sicher auch im Sinne des Verstorbenen - würde also neue Tatsachen und Erkenntnisse bringen. Frei von Verdächtigungen und wüsten Spekulationen würde uns allen Ludwig II. in einem völlig neuen Licht erscheinen. Ludwig II. würde dann nicht mehr als geistesgestörter Lüstling, Mörder und Selbstmörder durch die Medien und Geschichtsbücher geistern. Und wer sollte auch eigentlich gegen eine Aufklärung sein? Sind wir nicht alle begeistert, fasziniert, wenn wir die weltberühmten bayerischen Königsschlösser betreten. Ludwigs großes Kunstwerk, nämlich seine Schlösser, hat sich m unseren Tagen als eine der genialsten Investitionen entpuppt, die je ein bayerischer Staatsmann für sein Land getätigt hat. Ludwig II. wird zum volkswirtschaftlichen Faktor - die Milliarden fließen. Unerbittlich drängt die Geschichte nach Wahrheit. Und wenn die ganze Wahrheit jetzt nicht mehr und mehr in die Welt kommt, obliegen weitere Geschehnisse der Lüge. Die aktuellen Forschungsergebnisse zum Tod Ludwigs II. erfahren Sie in dem ausführlichen Beitrag "Der Tod am Starnberger See" in: "Der tragische König" - Biographie von Erika Brunner. Das Totenbildnis König Ludwigs II von Bayern Das wirklich letzte authentische Porträt des Monarchen -gezeichnet am 17. Juni 1886 von dem Maler Hermann Kaulbach Der Maler Hermann Kaulbach bekam vom KgL Oberhofmarschall-Amt die Erlaubnis, in der Nacht vom 16. zum 17. Juni 1886 in die Hofkapelle zu kommen, um den König zu zeichnen; seine Tochter Dorothee sollte mit ihm kommen. Die Zeichnung, die mit dem eigenhändigen Vermerk des Künstlers "n. d. Natur" (nach der Natur) geschaffen wurde, ist heute als interessantes historisches Dokument zu werten; nach dem Tod des Malers befand sich die Zeichnung im Besitz seiner Tochter Dorothee. © Oktober 2000 by Peter Glowasz Verlag
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