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Gallerien zu Ludwig II.

Die Schlösser König Ludwigs II.

Autoren: Ernst Wrba (Fotos), Michael Kühler (Texte)
Titel: Burgen & Schlösser: 
 Die Schlösser König Ludwigs II.
Umfang: 128 Seiten, über 200 Bilder, Hardcover
Verlag: Stürtz, Verlagshaus Würzburg 2008
 ISBN 978-3-8009-1867-4
Preis: 19,95 Euro

Inzwischen wurden zahlreiche Bücher über Burgen und Schlösser – insbesondere über die aus dem 19. Jahrhundert – veröffentlicht. Eingebettet in die Landschaften, Gärten und Parks sind die
Gebäude durchaus schön in Szene zu setzen und decken oft eine Vielzahl an potenziellen Zielgruppen ab.

Ein neuer Bildband über die drei „großen“ Schlösser König Ludwig II. von Bayern ist im Sommer im Verlagshaus Würzburg („Stürtz“) erschienen. Der Verlag bietet mit über 700 lieferbaren Titeln ein
umfangreiches Programm an, das sich mit Bildbänden und großformatigen Bildkalendern zu Reisethemen, zur Geschichte und Burgenkunde, beschäftigt.

Bei dem aktuellen Band zeichnet der 1956 in Österreich geborene Ernst Wrba für die Fotos verantwortlich. Er ist Diplom-Fotodesigner und arbeitet seit 1983 als Fotograf für Werbung, Industrie
und Tourismus. Zu seinen bisherigen Veröffentlichungen gehören über 40 Bildbände – unter anderem über Natur- und Nationalparks, das Mittelmeer, die Türkei und deutsche Länder.

Die Präsentation der Fotos erfolgt wechselnd großflächig auf einer ganzen Seite und auch auf Doppelseiten. Einige Bilder sind auffallend verzerrt, sodass mancher Turm doch aussieht wie eine
Kerze, die zu lange in der Sonne stand. Ist dies künstlerische Absicht?

Dafür hat man bei den herrlichen Fotos zum Teil seltene Perspektiven, auch manche, die man als Besucher gar nicht erreicht oder wahrnimmt. Die Außenaufnahmen, die – bis auf wenige
Ausnahmen – alle im Sommer gemacht wurden, zeigen eindrucksvoll, wie Ludwig auch die Natur in die Architektur mit einbezog.

Die Innenaufnahmen heben sich erfreulicherweise von anderen Bildbänden ab, auch wenn die Räume teilweise im musealen Zustand, z. B. mit Absperrleinen, fotografiert wurden.

Die historischen Bilder (in Sepia/Schwarzweiß), die ergänzend Platz bei den Texten finden, sind meist im Ansichtskartenformat oder kleiner gehalten; hier findet man auch zahlreiche Bilder aus der Bauzeit, die sonst eher selten zu sehen sind.

Die Texte (und Bildbeschreibungen) schrieb der 1962 in Landshut geborene Michael Kühler. Er lebt in Stuttgart und ist Veranstalter von Kulturreisen. Seine Schwerpunkte als Autor sind Landeskunde
und Reisen; u. a. veröffentlichte er Bücher über Skandinavien und die griechischen Inseln, sowie über „Faszinierende“ Städte, wie Berlin, Wien und London.

Es liegt an jedem Autor, der sich mit einem Fotografen an diese Arbeit begibt, ob er aus einem Bildband über die Schlösser Ludwigs eher den Touristen auf der Suche nach einem hübschen
Andenken oder den doch nach Hintergrundwissen suchenden Leser ansprechen möchte.

Das Buch beschäftigt sich mit den drei großen Bauprojekten Ludwigs: Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee.

Beginnend mit dem Tod Ludwig II. von Bayern, wirft der Autor zahlreiche Fragen auf und kommt schnell zu den japanischen Touristen, die „der besondere, exotische Reiz“ auch heute noch bezaubert.

König Ludwig wird auch als Tourismusexperte vorgestellt, der Disneyland unbewusst vorweggenommen und neohistoristische Gasthäuser im Jodel-Stil hervorgerufen hätte. Kühler schreibt:

„Das Bild von Bayern wird dadurch nachhaltig geprägt und es ist gut, dass sich der Massentourismus an diesen Brennpunkten konzentriert. Denn wenn sich dieses berechtigte Interesse der Gäste an der anheimelnden bayerischen Kultur wie eine trübe Soße über das ganze Land ergießen würde, dann gäbe es nicht mehr die unberührten Flucht- und Rückzugspunkte, die Ludwig einst so schätzte.“

Zum Ruhm Bayerns trage „nicht nur diese natürliche ‚Kulisse‘ der Dreitausender“ bei, sondern auch Prachtstraßen, das Oktoberfest und St. Batholomä am Königssee. Zum Schluss der Tipp: „Wer davon wieder genug hat, der wechselt nach Mallorca, wie es der Märchenkönig einst vorhatte.“

Für manche Leser mögen die Sprünge des Autors zwischen Ludwigs Projekt eines Königreichs auf den Kanarischen Inseln, der württembergischen Königin Olga und den Pferden Ludwigs, die er mit der Schönheitengalerie des Großvaters Ludwig I. in Verbindung bringt, etwas irritieren. Bei keinem der Themen erfährt man mehr als nötig. So scheint dem Autor doch der ein oder andere Flüchtigkeitsfehler unterlaufen zu sein. Zumindest einige Formulierungen sind etwas unglücklich gewählt:

Der kurze einführende Text zu Neuschwanstein fasst zahlreiche Informationen über das Schloss zusammen und spannt einen Bogen von den Wandbildern zu den Touristen: „nicht nur Parzival, Lohengrin, Tannhäuser oder Tristan und Isolde bevölkern das (...) Schloss (...), auch Unmengen von Besuchern zieht es hierher, an manchen Tagen bis zu 5000 Menschen“.

Den Beiträgen über das jeweilige Schloss folgen Zwischenkapitel als „Special“, wie „Ludwig II.“ und „Baugeschichte“.

Kühler beschreibt, dass Ludwig nach der Devise „Kunst um der Kunst willen“ baute. „König Ludwig II. baute sich wahrlich Traum- und keine Wohnschlösser. Seine Aufenthalte dort waren selten und nur kurz, denn jedes längere Verweilen hätte die Illusion im Laufe der Zeit zerstört. Diese 'begehbaren Märchen' begeistern noch heute die Besucher.“

Schloss Herrenchiemsee bezeichnet der Autor als Ludwigs „reifstes Werk“, das als einziges „nicht auf seinen Vater zurück“ gehe. Leider erfährt der Leser aber bspw. nicht, worin der Autor die „Reife“ sieht; in der Architektur, in der Ausführung, in der Theatralik?

Bei dem „Versailles im ‚bayerischen Meer‘“ fehlen leider Bildmaterial und Hinweise auf die beiden Flügelbauten, die damals schon im Bau waren und später abgerissen wurden.

Zum Abschluss des Buches finden natürlich das „fragwürdige ärztliche Gutachten“ und der „rätselhafte Tod im Starnberger See“ Erwähnung.

Bis heute biete der Tod mannigfache Rätsel und genügend Motive; der Autor schließt seine Texte mit den Gugelmännern, die „auch heute noch den Nachweis erbringen wollen, dass König Ludwig II. heimtückisch ermordet wurde.“

Mit über 200 Bildern, die in verschiedenen Formaten und eben auch aus zum Teil ungewöhnlichen Perspektiven gemacht wurden, bietet sich hier ein wunderbarer Bildband zum günstigen Preis an.

Der Text dagegen verliert sich leider zu oft in Einzelheiten im jeweiligen Thema; weiterführende Informationen oder wenigstens Hinweise, wo man mehr findet, fehlen. Eine Zeitleiste und biografische Daten wären recht hilfreich; ebenso Literatur zum Weiterlesen oder Quellen.

Die Tipps für Besucher sind sicher hilfreich; für einen Taschenguide zum Mitnehmen ist das Buch aber zu groß. Insgesamt ist der Text leider etwas zu dürftig ausgefallen; vielleicht ist er für einen Einstieg interessant.

Als Bildband erfüllt das Buch durchaus seinen Zweck, man muss sich aber bewusst sein, dass es insgesamt mehr Wert auf Unterhaltung legt.

www.MichaelFuchs.de
Berlin, 29.09.2008

 

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